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Rund 3000 Arbeitsstunden verhalfen der Orgel zu neuem Klang und Glanz

»Orgel der Pauluskirche nach umfassender Restaurierung am 29.April 2018 eingeweiht / Festtag mit Orgelführung und vielfältigem Musikprogramm«

Die Entscheidung, die Orgel der Pauluskirche einer umfassenden und in zwei Abschnitten aufgeteilten Restaurierung zu unterziehen, fiel vor mehr als vier Jahren. Jetzt durfte die evangelische Kirchengemeinde mit einem Festtag und vielen Gästen unter dem Motto „Die Orgel feiert…“ ihre große Freude über das Ergebnis zeigen: die Orgel als Herzstück der Pauluskirche erstrahlt in neuem Glanz und verzaubert mit neuem Klang.



Rund 3000 Arbeitsstunden hatten die Experten der Firma Rensch Orgelbau aus Lauffen am Neckar unter der Leitung von Orgelbaumeister und Intonateur Philipp Neßling in die Grundrestaurierung des „verborgenen Schatzes der Pauluskirche“ investiert. Und viele weitere Stunden hatten Mitglieder des evangelischen Kirchenchores ehrenamtlich mit Pfeifenputzen verbracht und damit zu dem schönen Ergebnis einen wichtigen Beitrag geleistet.



Viel zu erzählen hatten Organist Peter Rudolf und Pfarrerin Cristina Blázquez bei ihrer Orgelführung über die durchgeführte Grundsanierung. „Mit der Elektrik hat alles angefangen“, berichtete Rudolf. Wie sich bei einer Begutachtung der Orgel herausgestellt hatte, war das im Jahr 1954 unter Verwendung von Originalteilen der Vorgängerorgel von der renommierten Firma Steinmeyer erbaute Instrument brandgefährdet. Die elektrischen Standards von damals hatten bereits Museumscharakter und mussten dringend, den heutigen Sicherheitsvorschriften entsprechend, ausgetauscht werden. Auch das Geländer der Empore wurde unter dem Aspekt der Sicherheit unter die Lupe genommen. Da das Rückpositiv der Orgel Teil der Emporen-Brüstung ist, wurde der Blick auch auf das Innenleben der Orgel gerichtet. Die zu verrichtenden Arbeiten erschienen Philipp Neßling als beauftragtem Orgelbauexperten wie „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Ihm ging aufgrund des stark abgenutzten Gesamtzustandes der komplette Abbruch der Orgel und ein Orgelneubau unter Wiederverwendung von Orgelteilen durch den Kopf. Doch eine neue Orgel hätte deutlich kleiner ausfallen müssen und hätte in ihrer musikalischen Vielfalt nicht annähernd an das bestehende Instrument heranreichen können. Wissend um ihre besondere Entstehungsgeschichte unter Mitverwendung vieler Teile der hochromantischen Originalorgel aus dem Jahre 1880 betrachtete Neßling das Instrument, das die letzten 60 Jahre mit geringem Aufwand in Funktion gehalten werden konnte, näher und fand, dass die verborgenen Schätze, wie der historische Orgeltisch und die robusten Pfeifen, es allemal Wert waren, restauriert und zu neuem Leben erweckt zu werden.

Die viermonatige technische Sanierung samt Überarbeitung des Rückpositivs der Orgel wurde im September 2016 abgeschlossen. Der ursprünglich seitlich positionierte Spieltisch erhielt mittig auf der Empore seinen neuen Platz. Im zweiten Teil der Orgelrestaurierung ging es um das Klangbild der Orgel. Das Pfeifenwerk und der Orgelklang wurden umfassend überarbeitet. Dabei ist nach restaurativen Bedingungen vorgegangen und der Originalbestand unverändert beibehalten worden. Alle 1870 Pfeifen des Hauptwerks wurden von der Orgelbaufirma mehrfach in die Hand genommen und überprüft und in wochenlanger Kleinarbeit wurden rund 2000 Ledertaschen überarbeitet, um die „Königin der Instrumente“ wieder aufzumöbeln. Die für die Gemeinde sichtbaren Pfeifen des Rückpositivs wurden von Gemeindemitgliedern mit der Hand poliert. Zur großen Freude konnten zwei neue Register gebaut werden. Die Disposition der Orgel wurde im Schwellwerk um eine neue Oboe 8‘ und im Pedal um ein Fagott 8‘ erweitert. Gerade mal vier Tage vor ihrer offiziellen Einweihung wurde die Orgel fertiggestellt und war für erste Proben einsatzbereit. Die in zwei Abschnitten durchgeführte Orgelrestaurierung kostete rund 140 000 Euro und konnte in erheblichem Maße durch Spenden, Zuschüsse und Rücklagen finanziert werden.



Zur Orgeleinweihung erklang nach dem Festgottesdienst Orgelmusik in unterschiedlicher Besetzung von morgens bis abends.

Der evangelische Kirchenchor hatte in bewährter Manier die Verköstigung aller Besucher übernommen, der Singkreis die Kuchen zum Kaffee gebacken und die Einnahmen für die Orgelsanierung gespendet.

Sabine Geschwill

Fotos: Geschwill Presseservice


Musikalisches Programm zum Herunterladen

Ausführliches Programm Werkangaben.pdf