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Die Kirchenorgel

»Ein Bericht von Pfarrer Gottlob Hees. (1952 zur Orgelweihe.)«

Alles Ding währt seine Zeit ... zu diesen Dingen gehören auch die Orgeln!
Welch eine Freude, als vor genau 50 Jahren - im Jahre 1904 - die evangelische Kirchengemeinde Eppelheim auf die völlig erneuerte und erweiterte Empore eine 15 Register umfassende zweimanualige Orgel stellen konnte.

Es sollte das Beste vom Guten werden und so fiel die Wahl auf die weltbekannte Orgelbaufirma Steinmeyer in Oettingen (Bayern), über 40 Jahre tat diese Orgel tapfer und brav ihren Dienst in der verhältnismäßig kleinen Kirche. Aber dann traten ganz massiv Alterserscheinungen auf, sie wurde asthmatisch und machte in den heißen Sommern 1947 und 1948 einfach nicht mehr mit.

Alle Kniffe mit Dunstfeuchtigkeit, Feuchtmachen des Emporenbodens versagten. Erst als die Witterung wieder kühler wurde und alle vorhandenen Schrauben bis zur letzten Möglichkeit angezogen waren, kam die Tonsprache allmählich wieder. Aber daneben hatte ein anderer, sehr heimtückischer Feind sich eingeschlichen: Der Holzwurm. Und schließlich wurden auch die Register in der Art ihrer Zusammensetzung veraltet und unmodern.

In einer Zeit, die wieder mehr und mehr in das kirchliche Singen hineinwächst und mit der erweiterten Liturgie wie mit dem neuen Gesangbuch neue Aufgaben in überfülle bekommen hat, musste für einen verantwortungsbewussten Kirchengemeinderat die Aufgabe, eine neue Orgel anzuschaffen, sich von selber stellen. Die sehr viel größer gewordene Kirche mit dem Konfirmandensaalanbau als zusätzlichem Kirchen- und Gottesdienstraum machte die Beschaffung immer dringlicher.

Aber wie oft erfüllen die besten Orgeln nicht ihre Aufgaben und lassen sich die Möglichkeiten ihrer Wirkung nicht ausschöpfen, weil die Platz-, Raum- und Aufstellungsfrage nicht genügend durchdacht worden ist! Das hieß für Eppelheim: Für die neue Orgel auch eine neue Empore. Sie wurde geschaffen und bietet nun zwischen Hauptwerk und Rückpositiv der wieder von Steinmeyer gelieferten dreimanualigen 33-Registerorgel (sowie 3 Transmissionen, 3 freien Kombinationen und allen Spielhilfen) Platz für 100 Chorsänger und ein kleines Orchester. Die Verwendung von nur beweglichen Klappstühlen als Sitzgelegenheit lässt rasche Umgruppierung der Sänger und Chorgruppen ohne besondere Schwierigkeiten zu. Die Orgel ist elektropneumatisch, d. h. die Auslösung der Töne erfolgt auf elektrischem Wege.

Durch geringste Berührung der Taste wird auf kürzestem Weg der Ton ausgelöst, d. h. die Orgel „spricht", wie man in Fachkreisen sagt, sehr schnell und genau an. Der Spieltisch ist beweglich und so aufgestellt, dass der Organist für den liturgischen Dienst unmittelbare Blickverbindung zum Altar und zur Kanzel hat, d. h. die Anordnung ist nicht „zufällig", sondern den verschiedenen Erfordernissen Rechnung tragend, genau festgelegt. Die Orgel ist neu und doch nicht ohne Tradition. Die alte Orgel wurde für rund 7 000 DM in Zahlung gegeben, d. h. alle noch guterhaltenen Teile wie Windladen und Pfeifen wurden von Grund auf überholt, erneuert und in die neue zweieinhalbfach so große Orgel mit eingebaut.

So klingen aus der neuen Orgel altvertraute Töne aus Vaters und Großvaters Zeiten. Wie auch sonst bei der Erneuerung und Erweiterung der Kirche ist mit Bedacht Rücksicht darauf genommen, dass überall vom Alten noch etwas geblieben ist, um vor allem den lieben Alten unter den Kirchgängern eine Brücke zu schlagen vom Ufer ihrer Zeit zu dem der so völlig veränderten Gegenwart.
Gottlob Hees, Pfarrer.