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Zur Geschichte der Kirchenglocken

»Ein Rückblick«

Glocke

Im Archiv der Stadt Eppelheim lässt sich in den Akten des Jahres 1802 eine Auseinandersetzung zwischen den Kirchengemeinden und der politischen Gemeinde finden. Grund der Streitigkeiten war die gemeinsame Nutzung der einzigen vorhandenen Glocke. Diese befand sich im damaligen Glockenturm der Pauluskirche, der zu dieser Zeit noch im Besitz der Kommune war. Bereits im selben Jahr wurde durch die protestantische Kirchengemeinde eine kleinere gebrauchte Glocke aus dem sich in Auflösung befindlichen Franziskanerkloster in Heidelberg erworben.

1884 war die große Glocke gebrochen, es bestand also Handlungsbedarf. Die Glockengießerei Hamm aus Frankental unterbreitete - sowohl der weltlichen als auch geistlichen Gemeindeleitung - ein Angebot, die beiden vorhandenen Glocken umzugießen und durch eine dritte Glocke zu einem Dreigeläut zu ergänzen. Die größte Glocke befand sich nach der Neuanschaffung wieder im Eigentum der politischen und die beiden kleineren Glocken im Besitz der protestantischen Gemeinde.

Während des ersten Weltkrieges musste auch das kurpfälzische Kleindorf Eppelheim seine Glocken der Rüstungsindustrie zur Verfügung stellen. Auf Anweisung der „Kriegsrohstoffabteilung“ des preußischen Kriegsministeriums wurden die beiden kleineren Glocken aus dem Turm entfernt. 1921 wurde nach Vorlage der beiden deportierten Glocken das Dreiergeläut wieder hergestellt. Es wurden eine 240 kg schwere Glocke im Ton c und eine 160 kg wiegende Glocke in der Stimmung d montiert.

Knapp 21 Jahre durfte dieses dreiteilige bronzene Kunstwerk das Leben der Eppelheimer Bevölkerung begleiten, bevor es im Januar 1942 wieder zu Kriegszwecken vom Turm herab geholt werden musste. Diesmal blieb der großen Glocke das Schicksal, als Munition ein neues Leben zu beginnen, nicht erspart. Lediglich die kleinste Glocke blieb der Kirchengemeinde als Ruf- und Warnsignal erhalten. Aus einer Aktennotiz vom 12. März 1946 geht hervor, dass beide abgehängte Glocken nach Hamburg in die Zinnwerke Wilhelmsburg GmbH transportiert wurden und vermutlich kurze Zeit nach ihrem Eintreffen dort eingeschmolzen wurden.

Wie auch in anderen Gemeinden war nach Kriegsende der Wunsch nach einem vollständigen Geläut so groß, dass man sich schnellstmöglich an die Vorbereitungen zur Wiederbeschaffung wagte. „Die Wiederkehr der Glocken war für die Menschen oft wichtiger als ihr persönliches Wohlergehen. Mit der Rückkehr der zu Kriegszwecken abgelieferten Glocken und der Ankunft der Neuen verbanden die Menschen die Wiederkehr von Frieden, Freiheit und Menschenwürde“ so schreibt Kurt Kramer in seinem Buch „Die Glocke – Eine Kulturgeschichte“ (2007; S.121-122). So ist es auch gut verständlich, dass der damalige Eppelheimer Gemeindepfarrer Gottlob Hees in einem Bittbrief sehr nachdrücklich die evangelischen Gemeindeglieder zum Spenden von Rohmaterial und Geld aufrief.

Die ökumenischen Pläne zur Anschaffung von aufeinander abgestimmten Geläuten für die Pauluskirche und die katholische St. Josephskirche wurde durch die Spende des ortsansässigen Lebensmittelfabrikanten Rudolf Wild unterstützt. Zusammen mit seiner Frau erklärte sich Rudolf Wild bereit, jeweils die größte Glocke der beiden Kirchengemeinden zu finanzieren. Inzwischen hatte jedoch die evangelische Gemeinde bereits das Geld für drei Glocken gesammelt und bekam nun zusätzlich eine vierte geschenkt.

Trotz der großzügigen Spenden von Bürgerinnen und Bürgern und der Firma Wild sollte es allerdings noch ein langer Weg bis zur Glockenweihe werden. Die am 21. Juni 1948 einsetzende Währungsreform und die allgemein anhaltende Materialnot verzögerten das Projekt „Neue Glocken für Eppelheim“.

Mit dem Guss der Glocken für beide Kirchengemeinden wurde die Glockengießerei Rincker in Sinn (Dillkreis) beauftragt. Das elektrische Läutwerk für die Pauluskirche, das modernste seiner Zeit, wurde von der Firma Herforder Läutemaschinen geliefert.

Am 14. November 1948 war der „große Tag“ gekommen. Acht neue Glocken (eine Friedhofsglocke, drei Glocken für die katholische St. Josephskirche und vier Glocken für die evangelische Pauluskirche) konnten am Heidelberger Bahnhof von Güterwaggons auf Pferdefuhrwerke umgeladen werden. Auf fünf vierspännigen Pferdefuhrwerken, zur Verfügung gestellt von Eppelheimer Bauern, wurden die Glocken am darauf folgenden Sonntag, dem 17. November von der Gemeinde in einem großen Festzug empfangen.

Die Glockenweihe in der Pauluskirche fand knapp drei Wochen später, am 2. Advent 1948, durch Landesbischof Dr. Julius Bender statt.


Weitere Informationen zu den Kirchenglocken


Bilder vom Empfang der Glocken und der Glockenweihe (1948)



Eppelheimer Hauptstraße vor 1948 (links) und im Jahr 2010 (rechts) mit Blick auf die Pauluskirche


Im Festzug
werden die neuen Glocken nach Eppelheim gebracht

Mehrere Fuhrwerke wurden dafür benötigt

Die Pfarrer beider Kirchengemeinden

Die Eppelheimer begrüßen ihre neuen Glocken



Die neuen Glocken vor der Pauluskirche

Glockenweihe am 2. Advent 1948