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Prächtig ließen Chöre und Solisten die Weihnachtsgeschichte erklingen



Weihnachtsoratorium von Heinrich von Herzogenberg in der Pauluskirche
Komposition vor 125 Jahren uraufgeführt


Bei der Uraufführung seines Weihnachtsoratoriums im Dezember des Jahres 1894 in der Straßburger Thomaskirche erlebte Heinrich von Herzogenberg nach eigenem Bekunden als Komponist und Dirigent „die glücklichste Stunde seines Lebens“. Wer 125 Jahre später die festliche Aufführung „Die Geburt Christi“ in der evangelischen Pauluskirche besuchte, konnte am eigenen Leib die Wirkung dieser prächtigen Werks spüren, sich an der biblischen Geschichte in musikalischer Form erfreuen und die Glücksseligkeit des Komponisten verstehen. Rund 200 Kirchenbesucher ließen sich von der ergreifenden Aufführung, die dank der freundlichen Unterstützung des Fördervereins Kirchenmusik Eppelheim erst ermöglicht wurde, gefangen nehmen.
Herzogenbergs Weihnachtsoratorium besteht aus drei großen Teilen, die in sich abgeschlossen sind, aber miteinander korrespondieren. Jeder Teil folgt einem eigenen Gedanken. Das Werk besteht aus Gemeindechorälen mit Orgelbegleitung, größeren und kleineren Chorsätzen, Solostücken, sowie dem Part des Evangelisten, der als Erzähler durch die Handlung führt. Textgrundlage bilden Psalmworte und die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. In den Choral- und Chorsätzen wurden einige damals und heute sehr bekannte Weihnachtslieder aufgenommen und verarbeitet.
Die Stelle von Heinrich von Herzogenberg als Dirigent nahm Otmar Wiedenmann-Montgomery ein. Er hatte die Gesamtleitung inne und agierte meisterlich. Mit verschiedenen Chören und Solisten sowie einer kleinen Auswahl an Instrumenten erweckte er Herzogenbergs Werk zu neuem Leben. Zu den Aufführenden gehörten der Singkreis an der Pauluskirche, das Vokalensemble Vierklang mit Christina Schnoklake (Sopran), Judith Schmitt-Helfferich (Alt), Thomas Steffen (Tenor) und Gunter Barwig (Bass), die Mitglieder der Kurpfalzphilharmonie, der Jugendchor „M&M’s Heidelberg“, die Gesangsolisten Kim Boyne, Andreas Bulling, Tilman Bracher, Christina Schnoklake, Jakob Zier und Simon Layer, sowie Felicity Hotasina am Harmonium und Gunter Barwig an der Orgel.
Die Musik dies Weihnachtsoratoriums ist sehr abwechslungsreich und eine Herausforderung für die Singstimmen. Herzogenberg hatte in seine Komposition bekannte Weihnachtslieder eingeflochten, die von den Chören dargeboten und auch von der Gemeinde mitgesungen werden konnten. Auch in verschiedenen Chorsätzen waren oft Melodien alter Weihnachtslieder wie „Es ist ein Ros entsprungen“, „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ oder „Kommet, ihr Hirten“ eingebaut. Die Zuhörer wurden gleich zu Beginn von Otmar Wiedenmann-Montgomery aufgerufen, aktiv als singende Gemeinde das Werk mitzutragen und bei den Liedern kräftig mitzusingen. Diesem Wunsch kamen die Besucher gerne nach.
Einem guten Freund und einer großen Portion Mut ist es zu verdanken, dass sich Heinrich von Herzogenberg im Jahr 1894 an die Komposition dieses Weihnachtsoratoriums wagte. Seit der Barockzeit hatte sich kein Komponist mehr an ein Weihnachtsoratorium herangetraut, sei es aus Ehrfurcht vor dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach oder weil damals Georg Friedrich Händels „Messias“ sehr populär war. Ein naher Freund Herzogenberg, Friedrich Spitta, Sänger und Theologe, erkannte aber die Problematik der beiden Werke. Die Anforderungen an die Musizierenden, den Chor, die Solisten und das Orchester waren sehr hoch. Und schon damals war es vom Aufwand her fast unmöglich, für eine Aufführung ein entsprechendes Orchester und hochkarätige Solisten zu engagieren. Spitta „bearbeitete“ deshalb im Sommer bei einem Besuch seinen Freund Heinrich von Herzogenberg, ein nicht aufwändiges Oratorium mit volksnahen Texten zu schreiben, nur mit Orgel und Harmonium, die ja in jeder Kirche vorhanden waren, und Solistenpartien, welche nicht unbezahlbare Koryphäen, sondern vielleicht sogar herausragende Chormitglieder übernehmen könnten. Spitta selbst steuerte die Texte bei. Die Weihnachtsthematik teilte er auf in den Adventsteil „Die Verheißung“, die Geburtsszene „Die Erfüllung“ und wählte als Schlussteil „Die Anbetung“. Die Ausführenden und ihr Dirigent wurden nach dem letzten Choral „Sei willekomm, du edler Gast“ und dem Orgel-Nachspiel mit Applaus überschüttet.


 
Sabine Geschwill

Foto: Geschwill Presseservice



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  Fotos: Evang. Kirchengemeinde Eppelheim (U. Luther)