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Chöre
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Musik - Josephskirche
Höhepunkte 2018




Wenn die menschliche Seele die Himmelskräfte um Hilfe bittet

»Hildegard von Bingens szenisches Singspiel „Ordo Virtutum“ wurde in der Josephskirche aufgeführt / Ergreifendes Mysterienspiel«

"Hildegard von Bingen"

Auf ein großartiges und ergreifendes Mysterienspiel durften sich die Besucher der Reihe „Musik in der Josephskirche“ freuen. Die Frauenkantorei Eppelheim hatte mit der Kantorei Fellbach das szenische Singspiel „Ordo Virtutum“ einstudiert. Die Gesamtleitung hatten Thilo Frank und Otmar Wiedenmann-Montgomery inne. Die musikalische Begleitung auf dem historischen Portativ hatte Ursula Wilhelm übernommen.

Ursula Wilhelm

Das einstudierte Hauptwerk stammt aus der Feder der bis heute vielgeachteten Klostergründerin, Äbtissin, Dichterin, Komponistin und Universalgelehrten Hildegard von Bingen (1098 bis 1179). Sie gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Neben Religion, Medizin, Ethik und Kosmologie befasste sie sich in ihren Werke auch mit der Musik. Ihre visionären musikalischen Werke und Gesänge sind ein theologisches Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht. Mit dem „Ordo Virtutum“, dem „Spiel der Kräfte“, schuf sie das erste schriftlich überlieferte Mysterienspiel Europas. Ihre Liebe am Gestalten und ihre Ader für dramatische Inszenierungen wird in diesem szenischen Spiel deutlich.

"Patriarchen und Propheten"

In ihrem „Ordo Virtutum“ geht es um die Ordnungen (Ordo) und Regeln, nach denen die Welt funktioniert. Die „Virtutes“, die Tugenden, sind bei Hildegard von Bingen sowohl göttliche Kräfte als auch menschliche Haltungen, denen man immer wieder in ihrem Werk begegnet. Ihr Mysterienspiel ist die szenische Umsetzung einer ihrer Grundideen: die Himmelskräfte helfen der menschlichen Seele, umwerben sie und wollen sie zur Zusammenarbeit mit Gott gewinnen. Doch die Seele lässt sich auf Diabolus, den Teufel, ein. Als sie erkennen muss, dass sie sich mit dieser Entscheidung nur selbst geschadet hat, bittet sie die Himmelskräfte um Hilfe.

"Seele" (Kim Boyne)

Die szenische Aufführung in der Josephskirche wurde für das Publikum zu einer visuellen und akustischen Zeitreise in die Welt des Mittelalters. Der gesamte Kirchenraum wurde zur Bühne. Die lateinischen Gesänge konnten auf einer Leinwand in deutscher Übersetzung mitgelesen werden. Die tragenden Rollen waren hervorragend besetzt. Mezzosopranistin Kim Boyne verkörperte in ergreifender Weise sowohl gesanglich als auch schauspielerlisch die glückliche wie auch die unglückliche Seele, die sich von Luzifer becircen lässt. Den Part des Teufels hatte Otmar Wiedemann-Montgomery übernommen. Die Rollen der Tugenden waren ebenfalls gelungen mit verschiedenen Solistinnen besetzt. Sie stellten sich dem Teufel gemeinsam, aber auch einzeln entgegen. Die Gegenüberstellung der Himmelskräfte und den dazu gehörigen Lastern, die in den Büchern Hildegards beschrieben werden, bilden die Basis der gelungenen Interpretation und Inszenierung.









Sabine Geschwill

Fotos: Geschwill Presseservice