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Chöre
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Musik - Josephskirche
Höhepunkte 2018




Neujahrskonzert am 7. Januar 2018

Es ist inzwischen Tradition in Eppelheim, dass der Förderverein Kirchenmusik zum Neujahrskonzert mit dem Klavierduo Tatjana Kontorovich und Otmar Wiedenmann-Montgomery in den Gemeindesaal der Kirchengemeinde lädt, in diesem Jahr unter dem Titel „Neujahrskonzert mit vollkommener und unvollendeter Musik“. Beide Musiker moderierten jeweils selbst das Programm und vermittelten so den Besuchern neben dem Hörerlebnis auch interessante Informationen zu den Werken.

«Ja, ihnen schwant richtig: wir werden heute geniale, und einige unvollendete Stücke zum Besten geben, die es praktisch nie auf Konzertprogramme schaffen, weil sie unvollendet sind, also: Fragment blieben», so die Begrüßung von Otmar Wiedenmann-Montgomery. Dass die Kompositionen es trotzdem wert sind, gehört zu werden, davon durften sich die Konzertbesucher überzeugen.



Im Alter von 13 Jahren komponierte Franz Schubert (1797-1828) Adagio und Allegro aus der „Fantasie in G für Klavier zu 3 Händen“ und das Fragment des ersten Satzes (Largo) der „Sonate in F für Klavier zu 4 Händen“. Schuberts Lehrer am Konvikt attestierten dem 12-jährigen am Ende des zweiten Semesters im Oktober 1809, dass er „ein besonderes musikalisches Talent“ hätte. Erstaunlich, dass man selbst in fragmentarischen Sätzen schon ein Genie entdecken kann.

«Zu den zuletzt geschriebenen Werken Johann Sebastian Bachs (1685-1750) zählt auch seine Sammlung „Die Kunst der Fuge“. In diesem Werk wandte Bach alle kompositorischen Künste an und demonstrierte alle denkbaren kontrapunktischen Gestaltungsmöglichkeiten. In der allerletzten Fuge jongliert Bach schließlich mit 3 Themen, wobei er als 3. Thema seinen eigenen Namen wählte, der sich musikalisch mit der Tonfolge B-A-C-H ausdrücken lässt. Leider ist Bach genau an dieser Stelle gestorben. Was würde man nicht alles dafür geben, um zu erfahren, wie Bach genau diese Fuge vollendet hätte? Seine Lösung hat er mit ins Grab genommen.» (Wiedenmann-Montgomery)
Das Duo spielte "Contrapunctus XIX" aus: „Kunst der Fuge“ in der Bearbeitung für Klavier zu vier Händen des Wiener Pianisten Bruno Georg Seidlhofer (1905-1982), eines Schülers Alban Bergs.

Auch Allegro und Andante aus der fragmentarischen „Sonate für vierhändiges Klavier, KV 357“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) sind leider unvollendet, einen Satz schrieb er in seinem letzten Lebensjahr, zeitgleich mit seinem Requiem und der Zauberflöte.



Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch (1906-1975) komponierte das „Concertino in a-Moll für zwei Klaviere, op. 94“ für sich und seinen 16-jährigen Sohn Maxim, der am Moskauer Konservatorium studierte; mit Maxim Schostakowitsch und Alla Maloletkova fand dort am 20.01.1954 die Uraufführung statt.
 
«Der englische Komponist Gustav Holst (1874-1934) vollendete seine Suite „Die Planeten“ im Jahre 1917. Obwohl 1930, vier Jahre vor seinem Tod, der Planet Pluto entdeckt wurde, hat er seine Suite um diesen Planeten nicht ergänzt. Nur gut, dass er es gelassen hat. Nach dem Jahr 2006 hätte man diesen Planeten wieder eliminieren müssen, da Pluto seinen Status als Planet bekanntlich wieder abgeben musste. Was bei Holst fehlt, ist allerdings der Planet Erde. Insofern handelt es sich auch bei den „Planeten“ um eine unvollständige Komposition...» (Wiedenmann-Montgomery). Zu hören war anschließend „Jupiter, der Bringer der Freude“ in der (Ur)Fassung des Komponisten für zwei Klaviere.



Die „Elf Choralvorspiele für Orgel op. posth 122“ von Johannes Brahms (1833-1897) entstanden im Jahr vor seinem Tod, einer Zeit, in der er den Verlust vieler Freunde und Kollegen zu beklagen hatte, insbesondere den Tod der geliebten Freundin Clara Schumann. Als «Ruhepol zwischen zwei aufreibenden Stücken» erklang das Vorspiel zum Weihnachtschoral „Es ist ein Ros entsprungen“ in der Übertragung für Klavier zu vier Händen von Eusebius Mandyczewski (1857-1929), einem engen Brahms-Freund.

Beendet wurde das Konzert mit der Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowskij (1840-1893). Das Orchesterwerk basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des Dramatikers William Shakespeare und gilt als erstes Meisterwerk des knapp 30-jährigen Komponisten. Die Bearbeitung für vierhändiges Klavier ist von Nadjechda Rimskij-Korsakow, der Frau des Komponisten Nicolai Rimskij-Korsakow.

Mit herzlichen Applaus bedankte sich das Publikum für dieses außergewöhnlich interessante Konzert!

Hanna Hahne

Fotos: Lutz Pfaff