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Vereinbarung einer ökumenischen Partnerschaft 2006

»Text der Vereinbarung vom Mai 2006«

Vereinbarung einer ökumenischen Partnerschaft
zwischen der
Evangelischen Kirchengemeinde in Eppelheim
und der
Katholischen Pfarrgemeinde Eppelheim


Einleitung

Mit der folgenden Erklärung schließen die Evangelische Kirchengemeinde Eppelheim und die Katholische Pfarrgemeinde Eppelheim eine verbindliche Vereinbarung über die ökumenische Zusammenarbeit beider Gemeinden.

Auf der Basis der europäischen Charta Oecumenica von 2001, die im Jahre 2003 auf dem ökumenischen Kirchentag in Berlin von den 16 Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen bekräftigt wurde, und in Orientierung an der Rahmenvereinbarung für ökumenische Partnerschaften, die am 27.5.2004 von der Erzdiözese Freiburg und der Evangelischen Landeskirche in Baden abgeschlossen wurde, entwickelte der Ökumeneausschuss beider Gemeinden die folgende Vereinbarung.

Die Präambel der Partnerschaftsvereinbarungen der evangelischen und katholischen Gemeinden von Heidelberg-Pfaffengrund und Heidelberg-Wieblingen wurden in einem ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag, dem 5. Juni 2006, in Wieblingen den sechs Gemeinden vorgestellt. [Zum Bericht von Margit Rothe ...]
Die Vereinbarung einer ökumenischen Partnerschaft zwischen der evangelischen Kirchengemeinde in Eppelheim und der katholischen Pfarrgemeinde Eppelheim wurde von beiden Gemeinderäten beraten und auf einer gemeinsamen Sitzung am 11.5.2006 angenommen.

In einem ökumenischen Gottesdienst in der Christkönigkirche am Sonntag, den 02.07.2006, wurde die Vereinbarung unterzeichnet. [Zum Pressebericht ...]


Präambel

In den vergangenen 35 Jahren hat sich in Eppelheim ein vielfältiges ökumenisches Miteinander entwickelt. Um dieses fortzuführen und auszubauen, schließen die Evangelische Kirchengemeinde und die Katholische Pfarrgemeinde eine Partnerschaftsvereinbarung. Denn nur gemeinsam können in der heutigen Zeit die Christen[1] der beiden Konfessionen das Evangelium für ihre Mitmenschen glaubhaft in Wort und Tat verkündigen. Richtschnur ist uns dabei die Bitte Jesu, „dass alle eins seien“ (Joh. 17, 21).

Im Bekenntnis zur Taufe als Zeichen der Einheit in Jesus Christus,
im Glauben an Jesus Christus als Haupt der einen Kirche und Herrn der Welt,
auf der Grundlage des Wortes Gottes, wie es die Heilige Schrift bezeugt,
sowie des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel als Auslegung der Heiligen Schrift
verpflichten sich die beiden Gemeinden zu weiteren Schritten auf dem Weg zur sichtbaren Einheit in einem Glauben und in der einen eucharistischen Gemeinschaft und vereinbaren Folgendes:


1. Aufeinander zugehen und voneinander lernen

Im ökumenischen Miteinander ist es wichtig, die geistlichen Gaben der verschiedenen christlichen Traditionen zu kennen und sich davon bereichern zu lassen. Daher wollen wir das Leben unserer Gemeinden auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Arbeitsbereichen kennen lernen und einander zu den jeweiligen Gottesdiensten und Veranstaltungen einladen.

Wir wollen Selbstgenügsamkeit überwinden und mögliche Vorurteile beseitigen, die Begegnung miteinander suchen und füreinander da sein. Wenn Kontroversen in Fragen des Glaubens und der Ethik bestehen, wollen wir das Gespräch suchen und alle – auch strittige – Fragen gemeinsam im Licht des Evangeliums und der Überlieferung unserer Kirchen erörtern.


2. Miteinander beten und Gottesdienst feiern

Wir wollen den bisherigen Weg fortsetzen, Gottes Wort gemeinsam zu hören und durch Gebet und Gottesdienst die geistliche Gemeinschaft zwischen unseren Gemeinden zu vertiefen.

Wir laden einander besonders zu den Gottesdiensten am Fest der Heiligen Drei Könige (Epiphanias) und am Buß- und Bettag ein und feiern gemeinsam Gottesdienst an Christi Himmelfahrt (am Feldkreuz) und am Pfingstmontag.

Wir wollen

  • den ökumenischen Weltgebetstag der Frauen gemeinsam feiern
  • im Rahmen der ökumenischen Bibelwoche und der Kinderbibelwoche gemeinsam Gottesdienst halten
  • die Gottesdienste zum Schuljahresbeginn und -schluss ökumenisch gestalten
  • das ökumenische Taizé-Gebet fördern
  • mindestens einmal im Jahr einen Predigertausch durchführen
  • die pastorale Betreuung der Senioren im Haus Edelberg ökumenisch wahrnehmen
  • besonderer zeitgeschichtlicher Ereignisse mit ökumenischen Gottesdiensten gedenken.


3. Den Dialog weiterführen - gemeinsam leben und handeln

Gemeinsame theologische, religionspädagogische und kulturelle Aktivitäten vertiefen unsere geistliche Gemeinschaft und christliche Spiritualität.

  • Die beiden Gemeinden veranstalten regelmäßig einen ökumenischen Bibeltreff.
  • Jährlich findet eine ökumenische Bibelwoche und eine Kinderbibelwoche statt.
  • Zum Advent gestalten beide Gemeinden den „lebendigen Adventskalender".
  • Die Chöre beider Gemeinden erarbeiten gemeinsame Chorprojekte.
  • Die Veranstaltungsreihe „Musik in der Josephskirche" wird von beiden Gemeinden getragen.

Wir wollen den Erfahrungsaustausch in Katechese und Seelsorge verstärken und unsere gemeinsame gesellschaftliche und politische Verantwortung als Christen durch ökumenisches Handeln in der Öffentlichkeit bezeugen. Daher wollen wir auf folgenden Ebenen und in folgenden Arbeitsbereichen einander stets informieren, eine gemeinsame Position suchen und ökumenisch handeln:

  • Ev. Kirchengemeinderat und Kath. Pfarrgemeinderat treffen sich zu gemeinsamen Sitzungen.
  • Sie setzen einen gemeinsamen ökumenischen Ausschuss als verantwortliches Arbeitsgremium ein.
  • Die Pfarrer der beiden Gemeinden treffen sich regelmäßig zur Besprechung der ökumenischen Fragen.
  • Beide Gemeinden betreiben die Kirchliche Sozialstation gemäß dem bestehenden Kooperationsvertrag.
  • Im ökumenischen Eine-Welt-Kreis unterstützen beide Gemeinden Projekte der Entwicklungshilfe.
  • Zu Weihnachten und Ostern wird jeweils ein ökumenischer Gemeindebrief veröffentlicht.


4. Ökumene im Alltag leben

Konfessionsverbindende Ehen und Familien sind heute vielfältige Realität auch in unseren Gemeinden. Wir sehen darin eine Chance für das weitere Zusammenwachsen der beiden Konfessionen und wollen konfessionsverbindende Paare und Familien darin unterstützen, Ökumene in ihrem Alltag zu leben:

  • Wir wollen dafür Sorge tragen, dass konfessionsverschiedenen Brautpaaren die gemeinsame Trauung angeraten und diese gemeinsam nach Formular C vorgenommen wird.
  • Wir befürworten, dass diese Trauungen entsprechend dem Wunsch des Brautpaares in der katholischen oder der evangelischen Kirche stattfinden.
  • Wir streben an, als Tauf- und Firmpaten Christen beider Konfessionen zuzulassen, die gefirmt bzw. konfirmiert sind.
  • Bei anderen Kasualien wie z.B. Bestattungen sind wir offen für gemeinsames Handeln.


5. Mit anderen Glaubensgemeinschaften zusammenarbeiten

Die Partnerschaft unserer Gemeinden ist offen für die Partnerschaft mit weiteren christlichen Gemeinden in unserer Region und an unserem Ort, sofern sie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg angehören oder mit ihr in grenzüberschreitender Zusammenarbeit verbunden sind.

In Verkündigung und Unterricht, in Lehre und Leben unserer Kirchen wollen wir die tiefe Verbindung des christlichen Glaubens zum Judentum bewusst machen und die christlich-jüdische Zusammenarbeit unterstützen.

Die Begegnung zwischen Christen und Muslimen wollen wir intensivieren und bei gemeinsamen Anliegen mit ihnen zusammenarbeiten.

Wir erkennen die Religions- und Gewissensfreiheit von Menschen und Gemeinschaften an und sind offen für das Gespräch mit allen Menschen guten Willens.


6. Zukunft gestalten – neue Wege gehen

Für unsere Zusammenarbeit sehen wir weitere Aufgaben, zu denen derzeit noch keine konkreten Vereinbarungen getroffen werden können,

  • bei der Kinder- und Jugendarbeit
  • beim Religionsunterricht
  • bei der Vorbereitung der Kinder zur Kommunion und zum Abendmahl
  • bei der Vorbereitung der Jugendlichen auf Konfirmation und Firmung
  • bei der Erwachsenenbildung
  • beim Aufbau eines gemeinsamen Chores.


Abschluss

Mit dieser Vereinbarung geben wir dem zwischen uns gewachsenen Miteinander einen verbindlichen Rahmen und verpflichten uns, dieses Miteinander auch weiterhin zu fördern und zu entwickeln. So suchen wir der Gemeinschaft in Zeugnis und Dienst gerecht zu werden zur Ehre Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.


Eppelheim, den 2. Juli 2006

 

Evangelische Kirchengemeinde
Eppelheim

Katholische Pfarrgemeinde
Eppelheim


Reinhard Kratzke
Vorsitzender
des Kirchengemeinderats


Pfarrer Wolfgang Buck



Pfarrer Michael Göbelbecker
Stellvertretender Vorsitzender
des Kirchengemeinderats
und
Pfarrerin Monika Mayer-Jäck
Pfarrer Michael Jäck


Ulrike Geisser
Vorsitzende
des Pfarrgemeinderats




.................................
Kenntnisnahme des
Evangelischen Oberkirchenrats


.................................
Genehmigungsvermerk
der Erzdiözese




Anmerkungen:
[1] Personenbezeichnungen im Maskulinum stehen auch für das weibliche Geschlecht.

Siehe auch:
Themen und Berichte des ökumenischen Arbeitskreises zu ökumenischen Partnerschaften
Ökumene in Eppelheim: Was gibt es heute?