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„Blind am Seil“ durch die Stadt

»Konfirmanden beschäftigten sich mit dem Thema Behinderung / Workshop mit verschiedenen Herausforderungen«

Eine Krankheit, ein Arbeits- oder ein Autounfall können das Leben einschneidend verändern. Plötzlich ist man querschnittgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen oder man kommt schon mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung zur Welt. Auch wer eine Arm- oder Beinamputation hinter sich hat, oder im Laufe seines Lebens seine Sehfähigkeit verliert, muss sein Leben neu organisieren. Jede Behinderung sorgt für Einschränkungen in Beruf und Alltag.

Wie schwierig sich das Leben für Menschen mit Behinderung gestaltet, lernten die Konfirmandinnen und Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde beim Workshop-Tag „Intakt“. Ziel dieses Aktionstages zum Thema Inklusion war es, die Jugendlichen für das Leben eines Menschen mit Handicap zu sensibilisieren, sich der eigenen Einschränkungen bewusst zu werden, seine Scheu zu überwinden, auf Betroffene zuzugehen und ihnen Hilfe anzubieten. Dies verdeutlichten Pfarrer Detlev Schilling und seine Kollegin Cristina Blázquez.

Gut auf den Workshop-Tag vorbereitet wurden die 30 Jungen und Mädchen im Konfirmandenunterricht. „Wir hatten eine 21 Jahre alte Rollstuhlfahrerin zu Besuch, die ungefähr im heutigen Alter unserer Konfirmanden krank wurde und seither auf den Rollstuhl angewiesen ist. Und wir hatten ein Mädchen mit geistiger Behinderung zu Gast, die uns zeigte, welche technischen Hilfen es ihr ermöglichen zu kommunizieren“, informierte Pfarrer Schilling. Die Konfirmanden konnten den beiden jungen Gästen Fragen stellen und dadurch auch deren Probleme kennenlernen und verstehen. Wie schwierig es ist, sich mit dem Rollstuhl fortbewegen oder blind den Alltag meistern zu müssen, wurde ihnen beim Workshop deutlich gemacht. Zehn ehrenamtliche Jugendbetreuer der evangelischen Kirchengemeinde waren zur Stelle und erläuterten die verschiedenen Aufgaben und Herausforderungen.


Im evangelischen Gemeindehaus war beispielsweise ein Aufgabenparcours vorbereitet. Mit verbundenen Augen mussten die Konfirmanden einen Apfel klein schneiden oder Bleistifte anspitzen. Bei Lavinia und Clarissa brauchte es eine Weile, bis sie blind einen Apfel in mundgerechte Stücke geschnitten hatten. Schwierig wurde es für all jene, denen eine Hand verbunden wurde. Eine Wasserflasche zu öffnen und sich etwas Wasser in ein Glas einzuschenken, wurde zu einer echten Herausforderung. „Man muss sich zu helfen wissen“, ließen Ryan und Philipp durchblicken.




Zwei Aufgaben warteten im Freien auf die Jungen und Mädchen. Zum einen ging es mit dem Rollstuhl durch die Stadt. Jede Steigung und jeder Bordstein wurde für die Ungeübten zur Kraftprobe. Zum anderen erkundeten die Jugendlichen „Blind am Seil“ mit verbundenen Augen die Straßen und Plätze. „Wir werden jetzt alle hintereinander am Seil durch Eppelheim laufen“, informierte Jugendbetreuer Armin Bernt. Vier weitere Helfer hatte er zur Absicherung dabei, damit alle wieder sicher ans Ziel gebracht werden konnten. „Bitte möglichst wenig quatschen, damit ihr genau hören und spüren könnt, wo ihr euch gerade befindet“, gab er als Hinweis mit auf den Weg. Hannah führte die erste „Blind am Seil“ Gruppe an. „Ich bin jetzt schon etwas ängstlich“, gab sie zu verstehen und tastete sich in kleinen Schritten vorwärts. Als zweite in der Reihe hatte es Emma schon einfacher. Sie fand es gut, dass alle testen konnten, wie sich blinde Menschen fühlen müssen und wie sie ihren Alltag meistern.



Sabine Geschwill

Fotos: Geschwill Presseservice