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Der Reformator war kein Kostverächter

»„Essen wie zu Luthers Zeiten“ im Gemeindesaal / Drei-Gänge-Menü und Auszüge aus Luthers Tischreden«

Martin Luther war vor 500 Jahren wahrlich kein pflegeleichter Zeitgenosse. Seine Sprache war treffend, seine Worte deutlich, seine Sprüche deftig und mit seinen Ansichten zu Kirche und Glauben machte er sich damals mehr Feinde als Freunde. Zugleich war der große Reformator kein Kostverächter. Er schätzte die herzhafte Küche und das Speisen in Gesellschaft.



Den Menschen Martin Luther stellte die evangelische Kirchengemeinde anlässlich des 500. Jubiläumsjahres der Reformation näher vor und hatte zu einem „Essen wie zu Luthers Zeiten“ in den Gemeindesaal eingeladen. Dort traf herzhafte Küche auf deftige Sprüche und genussvolle Musik. 40 Gäste hatten sich zu dieser Genusspremiere eingefunden.



Für das leibliche Wohl hatte Sven Sasse-Rösch gesorgt. Der neue Leiter der evangelischen Kindertagesstätte Sonnenblume hat ursprünglich Koch gelernt und sich nun gerne der Aufgabe angenommen, ein Drei-Gänge-Menü zu zaubern, an dem Martin Luther seine helle Freude gehabt hätte. In entsprechenden Büchern hat er nachgelesen und sich schlau gemacht, was früher auf den Tisch kam. Zusammen mit seinen beiden Küchenfeen Annette Christiansen und Birgit Thomas hatte er eine sehr delikate Weizensuppe mit Bohnen, Paprika und Knoblauch als Vorspeise ausgewählt. Dazu gab es kleine Brote. Beim Hauptgang hatte er sich für Hähnchenkeulen in Rotwein-Honig-Soße, Erbspüree und Wurzelgemüse entschieden. Als Nachtisch gab es frisch gebackenes Luther-Brot. Der Weizenteig wurde mit Orangeat und Zitronat verfeinert. Als süßer Aufstrich standen Feigen- und Aprikosenpaste bereit. „Dieses Brot wird in Sachsen heute noch gebacken“, erzählte Sasse-Rösch den Gästen. Als Durstlöscher wurden Apfelsaft und Dunkelbier gereicht. Gegessen wurde, wie zu Luthers Zeiten, in rustikaler Manier an langen Tafeln. Jeder durfte sein Essen aus den großen Töpfen nehmen. „Früher nutzte man wenig Besteck. Meist wurde alles nur mit dem Löffel oder mit den Händen gegessen“, ließ Sasse-Rösch durchblicken.





Für die geistige Nahrung war Pfarrer Detlev Schilling zuständig. Er hatte Auszüge aus Luthers Tischreden mitgebracht. „Luther redete gerne über Gott und die Welt und wie ihm der Schnabel gewachsen war“, erklärte er. Die Tischreden, die von Luthers Angehörigen oder seinen Zuhörern schriftlich festgehalten und möglicherweise auch etwas ausgeschmückt wurden, stammten aus dem Zeitraum zwischen 1530 und 1546. „Sie lassen uns tief ins 16. Jahrhundert hineinblicken, das in Europa keinesfalls besonders unterhaltsam ablief“, hob Schilling hervor.

Pfarrerin Cristina Blázquez wusste das gemeinsame Abendessen gelungen mit Gesang, Flöten- und Bordunmusik zu bereichern.


Sabine Geschwill

Fotos: Geschwill Presseservice