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Die Leidensgeschichte Jesu auf acht beweglichen Tafeln

»Passionsaltar „Schuld und Sühne“ ist bis Anfang Dezember 2017 in der Pauluskirche zu besichtigen«

An vielen Orten Deutschlands hat der von Bernhard Apfel und Gefangenen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heidelberg geschaffene Passionsaltar „Schuld und Sühne“ in den letzten Jahren schon Station gemacht. Seit einigen Tagen zieht der Flügelaltar die Blicke in der evangelischen Pauluskirche auf sich und lädt im Altarraum die Kirchenbesucher zu eingehender Betrachtung und Diskussion ein.

Foto: Cristina Blázquez

Die vom Künstler auf acht beweglichen Tafeln geschaffene Leidensgeschichte Jesu nach dem Johannes-Evangelium misst vier mal fünf Meter und wurde von Pastoralreferent Hermann Bunse von der Citypastoral an der Heidelberger Jesuitenkirche im Jahr 2011 in Auftrag gegeben. Auf den Tafelrückseiten haben auf Anregung des Gefängnispfarrers männliche und weibliche Strafgefangene der JVA Heidelberg ihre Gedanken zum Thema „Schuld und Sühne“ festgehalten.



Näher erläutert wurde das Kunstwerk beim Themengottesdienst „Atempause“ am 12. November 2017 von Pastoralreferent Hermann Bunse. Er ging mit den Besuchern auf Entdeckungsreise und lenkte den Blick auf den von Bernhard Apfel aus Leimen geschaffenen und optisch an eine Monstranz erinnernden Passionsaltar und die verschiedenen Elemente, die sich in ihrer Darstellung dem Leiden und Sterben Jesus widmen.



Der in Bad Tölz geborene Holzbildhauer verwendete als Basis für diesen besonderen Altar, der sich durch die künstlerischen und teilweise provokanten Interpretationen und die Verwendung verschiedenster Materialien und Utensilien von anderen Altären deutlich unterscheidet, das Holz von Zirbelkiefern, welches er mit Bandsäge, Hammer und Schnitzeisen bearbeitete. Apfels Liebe zur Natur und zum Material Holz spiegelt sich im Gesamtbild wider. Die von ihm dargestellten Figuren, wie beispielsweise der als dicker Barockfürst gearbeitete Pontius Pilatus, oder der „Rote Tod“ sind eigenständige Persönlichkeiten, lassen sich aber wunderbar in die Passionsgeschichte integrieren. Die Figuren sprechen aus ihrem Gestus heraus, ohne den Mund aufzumachen. Jede erzählt eine eigene Geschichte. Die Farbe als expressives Element komplettiert die Wirkung seiner Figuren und verdeutlicht in besonderer Weise das Passionsgeschehen von Gefangennahme, Kreuzigung und Auferstehung. Collagenartig aneinandergereihte Zeitungsartikel, verschiedene Fundstücke oder Schriftzüge beliebter Getränke bereichern auf ihre Art anregend die Passionsszenen, die mit ihrer Symbolfülle und reichen Bildersprache aufrütteln und die persönliche Auseinandersetzung fordern. Alle Figuren, Formen und Gegenstände fordern den Betrachter auf, den Altar aus nächster Nähe zu betrachten und mit Augen und Händen auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Leiden Christi zu veranschaulichen und diese Leiden mit größtmöglicher Intensität und so schonungslos wie möglich zu zeigen, diesem Ziel galt die künstlerische Inspiration Bernhard Apfels.



Der Altar „Schuld und Sühne“ kann bis Anfang Dezember in der Pauluskirche besichtigt werden. Die Ausstellungsdauer könne auf Wunsch der Gemeinde verlängert werden, teilte Pfarrerin Cristina Blázquez mit.



Sabine Geschwill

Fotos (4): Geschwill Presseservice