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Besuch bei der Ev.-Lutherischen Partnergemeinde in Tiflis

»Impressionen einer Georgienreise - Begegnug, wechselvolle Geschichte, beeindruckende Landschaft. Ein Bericht von Hanna Hahne und Martin Gramm«

Von Palmsamstag bis Ostermontag besuchte eine 9-köpfige Reisegruppe aus Eppelheim Georgiens Hauptstadt Tiflis und den Ostteil des Landes. Anlässe für eine solche Reise gibt es im Jahr 2017 genug: Deutsch-Georgisches Freundschaftsjahr (25 Jahre diplomatische Beziehungen beider Länder); Osterfest der Orthodoxen und der West-Kirchen am selben Tag (84 Prozent der Bevölkerung gehören der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche an).

Im Zuge der Einwanderung deutscher Siedler vor 200 Jahren nach Georgien (hauptsächlich aus Württemberg) entstand damals auch die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Tiflis, mit der die Evangelische Kirchengemeinde Eppelheim seit Ende 2016 eine Partnerschaft pflegt. Mit dem Erlös des jährlichen Adventsbazars an unserer Pauluskirche wird die Finanzierung diakonischer Aufgaben in Tiflis unterstützt, z.B. warme Mahlzeiten und im Bedarfsfall ärztliche Versorgung für Bedürftige (es gibt sie und man sieht sie auch!).

Partnergemeinde in Tiflis

Am Palmsamstag machte sich eine „Abordnung“ der Eppelheimer Gruppe zum ersten Besuch in der „Versöhnungskirche“ in Tiflis auf. Für 2.00 Euro durchquerten Frau Heede, Frau Höft und Herr Gramm die pulsierende Hauptstadt Georgiens mit dem Taxi. Auf einem Hügel südöstlich des Flusses Kura wurde die Gruppe zunächst von einem überlebensgroßen Maxim-Gorki Denkmal auf dem früheren „Sowjetischen Platz“ begrüßt. Der alte Baumbestand, die parkähnliche Zufahrt zur Versöhnungskirche lassen erahnen, dass sich hier einmal eine deutsche Friedhofsanlage befunden hat. Das Grundstück wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion durch Verhandlungen zwischen dem damaligen Präsidenten Georgiens, Eduard Schewardnadse, und dem ersten Bischof, Prof. Gert Hummel, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien zur Verfügung gestellt. Die grundbuchmäßigen Besitzverhältnisse sind leider bis heute noch nicht endgültig geklärt.
Auf dem Gelände befinden sich außer der 1997 eingeweihten Versöhnungskirche die Büro-, Versammlungsräume und die Wohnung des Bischofs sowie das von der Gemeinde betriebene Pflegeheim mit 10 Plätzen und ein Gebäude für die Gemeinde-Jugend mit einem großzügigen Volleyball-Platz.

Bischof Kiderlen begrüßte die Eppelheimer Gruppe herzlich zum 2-tägigen Jubiläumsfest. Er erläuterte Aufgaben und Probleme der evangelischen Kirche in Georgien. Das „Café Martin-Luther“ (500 Jahre Reformation lässt grüßen!), eine Art „Kirchen Café“ im Freien, wurde eröffnet, es soll in Zukunft auch für alle Anwohner der Kirche offen sein.

Eingangstor zum Areal der Versöhnungskirche

Reformationsjubiläum und Auswanderung deutscher Siedler vor 200 Jahren

In den Räumen der Versöhnungskirche wurde die Ausstellung zur Geschichte der deutschen evangelischen Christen in Georgien gezeigt. Zeitzeugnisse der deutschen Siedler, persönliche Gegenstände aus den Haushalten der durch die stalinistischen Deportationen verschleppten Deutschen sowie historische Fotos über die Zeit der Unterdrückung sorgten für eine beklemmende Atmosphäre.

Am Palmsonntag besuchten wir zunächst den 2-stündigen Jubiläumsgottesdienst, der vom Bischof und zwei Pfarrern 3-sprachig gestaltet wurde: zuerst Deutsch und dann jeweils übersetzt in Georgisch und Russisch. Es gibt in der Gemeinde nur noch wenige, die Deutsch sprechen und einige, die nur Russisch beherrschen. Gemeinsam gesprochenes Glaubensbekenntnis und Vaterunser oder auch Lieder (dreisprachige Gesangbücher!) werden so zu „babylonischem Sprachengewirr“ - für uns zunächst gewöhnungsbedürftig.

Abendmahlsgottesdienst

3-sprachige Gottesdienstordnung (Georgisch, Deutsch, Russisch)

Nach einer Stärkung im „Café Martin-Luther“ fand der offizielle Festakt mit Reden der deutschen Botschafterin, einem Vertreter der Stadt Tiflis und Geistlichen fast aller in Georgien beheimateten Religionsgemeinschaften. Aus Zeitgründen entfiel leider der geplante „Wein-Empfang“ mit Unterhaltungsprogramm.

Einige der geistlichen Vertreter eim Festakt

Nach dem Festakt symbolische Übergabe der Spende unserer Gemeinde
an Bischof Kiderlen (2.v.r.)

Touristisches Programm

Georgien ist geprägt von seiner Lage an der Seidenstraße (alter Handelsweg) und der wechselvollen Jahrtausendalten Geschichte. Römer, Griechen, Araber, Perser, Mongolen, Sowjetrussen hinterließen hier ihre Spuren, positive und negative, aufbauende und zerstörende. Unsere Ausflüge führten in verschiedene Regionen: Nach Mzcheta, die alte Hauptstadt und geistliches Zentrum Georgiens. In Gori besuchten wir das Stalin-Museum. Die Höhlenfestung Uplisziche aus dem 6. Jh. v. Chr. und das Felsenkloster Davit Garedschi (6. Jh.) an der Grenze zu Aserbaidschan mit fantastischen Freskomalereien waren sportliche Herausforderungen und kulturelle Höhepunkte. Stadtführung in Tiflis und Besuch des Nationalmuseums (Schatzkammer mit „Dem Gold von Kolchis“) waren obligatorisch, doch auch selbständig erforschten wir Altstadt, Kirchen u.v.m.

Tiflis; links die Zminda-Sameba-Kathedrale (Dreifaltigkeitskirche); größter Sakralbau des südlichen Kaukasus

Alte Häuser in der ehemaligen deutschen Siedlung Katharinenfeld (heute Bolnisi)

Vor einem Frauenkloster die Georgische Flagge (links) und das Weinrebenkreuz, auch Georgisches Kreuz oder Kreuz der Heiligen Nino genannt. Es ist das Kreuz der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche und stammt aus der Zeit des 4. Jahrhunderts, als das Christentum in Georgien Staatsreligion wurde.

Im Großen Kaukasus nahe der russischen Grenze auf 1800 m
vor dem Kasbek (5047 m)

Abschiedsabend mit Rainer Kaufmann und seinen georgischen Küchenfeen (links). Der Georgienkenner, u.a. Journalist, Filmemacher und Koch, lebt seit 20 Jahren sowohl in Bruchsal als auch in Tiflis. Er organisierte unser touristisches Programm, war kompetenter Reiseleiter mit viel Hintergrundwissen und hatte bei Problemen stets Lösungen parat. In seinem "Rainers" trafen sich am Abend Gott und die Welt, es entwickelten sich interessante und informative Gespräche.

Alle Fotos: Martin Gramm