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Null Bock auf Rente und Flucht über die Altersgrenze

»Kabarettist Stefan Herok nahm am 8. Januar 2017 alles auf die Schippe, was Stadt und Kirchen zu bieten hatten«

Der "Danke-Abend" der beiden Kirchengemeinden für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter war eine tolle Idee.

Im katholischen Gemeindezentrum St. Franziskus gab es beste Unterhaltung mit kleiner Pausenverköstigung. Mit dem Wiesbadener Stefan Herok hatte sich die evangelische und katholische Gemeinde eine "göttliche" Kombination eingeladen. Im Hauptberuf ist er Pastoralreferent im Bistum Limburg und nebenberuflich seit den 1980er Jahren als Kabarettist unterwegs. In seinem Programm "Erdgeschoss vom Himmelreich" machte er vor nichts halt und es war ihm auch nichts heilig. Er nahm heiter-satirisch mit minimalem Requisitenaufwand bei maximaler Wirkung alles auf die Schippe, was die Stadt und ihre beiden Kirchengemeinden an Themen zu bieten hatten. Erbarmen mit den Lachmuskeln seines Publikums kannte er nicht. Stattdessen empfahl er: "Kaba-rette sich, wer kann!" Mit scharfer Zunge wusste er Wortspiele, Sprachwitz oder persiflierte Lieder zum Besten zu geben. Sein Markenzeichen: er richtet sein Programm auf seinen jeweiligen Aufführungsort aus.



Was lag also näher, als zum Einstieg in den Abend das derzeit in Eppelheim Schlagzeilenträchtigste Thema ordentlich durch den Kakao zu ziehen. Selbst im fernen Limburg sei in den Zeitungen zu lesen gewesen, dass der hiesige Bürgermeister "über die Altersgrenze flüchte" und "Null Bock auf Rente" habe. "Ihr seid hier ein recht poppiges Städtchen - nur noch ohne Popp", merkte Herok mit Blick auf die neu gewählte Bürgermeisterin Patricia Popp an, die ihr Amt bislang noch nicht antreten kann. "Euer Bürgermeister hat Klasse Ideen gehabt. Schade, dass er jetzt alles so verspielt." Offenbar, so ulkte der Kabarettist, habe Dieter Mörlein, der seit 1994 Bürgermeister in Eppelheim ist, das erklärte Ziel, dies auch noch mit 94 Jahren sein zu wollen. Herok spürte einen leichten Verwesungsgeruch in der Nase und empfahl dem nicht weichen wollenden Rathauschef, sich doch als katholischer Bischof zu bewerben. "Wir haben seit langem die flexible Altersgrenze. Ihr kleines Mörlein könnte bei uns noch eine große Rübe werden."



Den Kirchen ging es hernach auch noch an den Kragen. "Haben Sie in Ihrer Kirche etwas zu lachen? Dürfen Sie in Ihrer Kirche überhaupt lachen?" Im Kirchenkabarett sei es ganz einfach: es dürfe jeder lachen, der die Pointe verstanden habe. "Kabarett erfindet nichts, sondern findet alles", erklärte Stefan Herok. Und: "Kabarett stellt die Welt auf den Kopf, damit sie wieder auf die Beine findet." Weil man im Kabarett eine Menge lernen könne, sei der Abend als Bildungsveranstaltung zu sehen. "Die Lernziele werden in der Pause abgefragt", meinte Stefan Herok augenzwinkernd. Getestet wurde vom Pastoralreferenten sowohl der protestantische als auch der katholische Humor. Er fragte nach "Kirchen-TÜV" und "Licht-Test", damit in Zukunft alles reibungslos laufe und es künftig in den Kirchen Licht und nicht Nacht werde. Ökumene war sein Zauberwort bei Gottesdienst auf Niedrigstand. Denn Gottes Geist sei überall und immer dort, wo man ihm folge "in Tat und Wort". "Auf dass Liebe wächst und Böses weicht - im Erdgeschoss zum Himmelreich." Selbst vor den Zehn Geboten machte der witzige Kirchenmann nicht halt. Er schrieb so manches der Zehn Gebote einfach um. "Schenke deinem Feind dein schönstes Lächeln - nichts regt ihn mehr auf" oder "Du sollst deinem Nächsten lachen wie dir selbst" hießen seine zeitgemäßen Thesen. Lobeshymnen sang Herok auf das Ehrenamt - und zwar ganz passgenau auf die Menschen, die sich in der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde über das Jahr "mit Herz und frohem Sinn" einbringen.

Sabine Geschwill

Fotos: Geschwill Presseservice