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Laudato si‘ – Ist unsere Schöpfung noch zu loben?

Die Sorge um das gemeinsame Haus - so lautet der Untertitel der zu Pfingsten 2015 erschienenen Enzyklika von Papst Franziskus mit dem Haupttitel Laudato si‘ nach dem Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi. Der Heilige Franziskus dichtete seinen berühmten Lobgesang auf die Schöpfung (Laudato si', mi' signore, cun tucte le tue creature - Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen) am Ende seines Lebens als literarisches Vermächtnis in Dankbarkeit für die Welt und alles, was in ihr existiert.

Laudato si‘ – Ist unsere Schöpfung noch zu loben? Unter dieser Überschrift hatten jüngst der Eppelheimer Buchladen und die beiden christlichen Kirchengemeinden zu einem poetisch-musikalischen Abend über die Enzyklika des Papstes in den Gemeindesaal der Pauluskirche in Eppelheim geladen. Der politisch-poetische Teil wurde gestaltet von Johannes Laping vom Eppelheimer Buchladen und drei Theologen der beiden Kirchengemeinden – Cristina Blazquéz, Johannes Brandt und Judith Schmitt-Helfferich, die im Wechsel Texte aus der Enzyklika, dem erwähnten Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi, eine kraftvolle Nachdichtung des 104. Psalms aus der Feder von Martin Buber und Gottfried Bachls „Das trägt und wir nennen es Erde“ aus dessen Werk „Neue Psalmen“ vortrugen. Den musikalischen Teil übernahm Sigrid Haselmann, die zwischen den einzelnen Teilen des Abends auf der Harfe sensibel gestaltete Kompositionen von eigener Hand musizierte.



Der Heilige Franz von Assisi pries die Erde als „unsere Schwester, Mutter Erde, die uns ernähret und trägt...“ „Diese Schwester“, so mahnt Papst Franziskus, der sich mit seinem Namen in die Tradition des Heiligen Franziskus stellt, „schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat.“ Aus dieser Kritik entwickelt er seine ökologische Mahnschrift, die sich nicht nur an die Christenheit, sondern „an alle Menschen guten Willens“ richtet und in der er ein neues Bewusstsein für die Bewahrung der Schöpfung fordert: „Wir vergessen, dass wir selber Erde sind. Unser eigener Körper ist aus den Elementen des Planeten gebildet; seine Luft ist es, die uns den Atem gibt, und sein Wasser belebt und erquickt uns.“ Man muss keiner Religion anhängen, um diese Enzyklika aus tiefstem Herzen zu bejahen und ihrem Verfasser höchsten Respekt zu zollen dafür, dass er sein Amt nutzt, um von allerhöchster Stelle ein neues Umweltbewusstsein zu predigen, stellte Johannes Laping fest.

Papst Franziskus knüpft mit seiner Aussage „Nichts auf der Welt ist für uns gleichgültig“ im Grunde nahtlos an die in den 1970er Jahren entwickelte Gaia-Hypothese von James Lovelock und Lynn Margulis an, deren Kernthese, dass alles, was auf der Erde geschieht, Auswirkungen auf alles andere auf dem Planeten – auf Organismen und ihre Lebensräume ebenso wie auf das globale Klima – hat, man demzufolge die Erde als einen großen Organismus betrachten kann, zunächst belächelt wurde, inzwischen aber dramatische Bestätigung durch die Realität erfahren hat. Dennoch sollte man nicht den Fehler begehen, den Papst anhand dieser Worte im politischen Tagesgeschäft zu verorten, gaben die Theologen zu bedenken. Die Forderung, die Erde und alles, was auf und in ihr lebt, in Demut zu bewahren, ist ein Anliegen, das in zahllosen Bibeltexten aufscheint. Es sei leider so, dass der in der Genesis geäußerte Auftrag „Macht euch die Erde untertan“ von der Menschheit vielfach auf zutiefst verwerfliche Weise fehlgedeutet und falsch verstanden worden ist. Sich etwas untertan machen heißt nicht, es bis zum Untergang ausbeuten, sondern, so Papst Franziskus, es zu „hüten, schützen, beaufsichtigen, bewahren, erhalten, bewachen“. Das schließt im Übrigen, da stellt sich Papst Franziskus ganz in die Tradition der Enzykliken seiner Vorgänger Johannes Paul II. und Papst Benedikt, die Fürsorgepflicht ein, die die Menschen füreinander haben, denn „die Beschädigung der Natur [hängt] eng mit der Kultur zusammen, die das menschliche Zusammenleben gestaltet.“ So ist diese oft als rein ökologische Mahnschrift verstandene Enzyklika auch eine zutiefst sozialkritische Mahnung, die nicht nur im Sinne der christlichen Sozialethik zu verstehen werden ist, sondern eben in der Sorge um das gemeinsame Haus auch die Einhaltung der Menschenrechte einfordert und zu einer „ganzheitlichen Ökologie“ aufruft: „Wie brauchen eine neue universale Solidarität.“

Es steht zu hoffen, dass dieser eminent wichtige Text, der bei seinem Erscheinen mit großem Medienecho bedacht wurde, nicht das Schicksal der Gaia-Hypothese teilt und einen vierzigjährigen Dornröschenschlaf verbringen muss, bevor er an verantwortlicher Stelle Früchte trägt, und das vielleicht nur, weil er schlicht von der Realität überholt wird – es liegt an uns. Dazu Papst Franziskus: „Während die Menschheit des post-industriellen Zeitalters vielleicht als eine der verantwortungslosesten in der Geschichte in der Erinnerung bleiben wird, ist zu hoffen, dass die Menschheit vom Anfang des 21. Jahrhunderts in die Erinnerung eingehen kann, weil sie großherzig ihre schwerwiegende Verantwortung auf sich genommen hat.“