Herzlich willkommen!
  sitemap  |  impressum  |  login  
Offene Kirche
Flüchtlingshilfe
Nachrichten
Vorschau
Oekumene
Stellenausschreibung
Der Online-Tipp




Zehn Jahre Gemeindearbeit wird in Kartons verpackt

»Gemeindediakonin Margit Rothe widmet sich neuen Aufgaben in der Flüchtlingshilfe. Das Interview führte Sabine Geschwill für die RNZ und Schwetzinger Zeitung.«



Etwas mehr als zehn Jahre hat Margit Rothe in den evangelischen Kirchengemeinden in Eppelheim und Plankstadt als Gemeindediakonin gewirkt und viel Neues auf den Weg gebracht. Jetzt stellt sich die 52-Jährige einer neuen Herausforderung: sie wird für die Evangelische Landeskirche in Baden als Bezirksbeauftragte für Flucht und Migration die beiden halben Stellen der Bezirke Südliche Kurpfalz und Ladenburg-Weinheim übernehmen und somit künftig Vollzeit in der Flüchtlingshilfe tätig sein. Die Stelle ist zunächst auf zweieinhalb Jahre befristet. Zwischen Büro ausräumen, Kartons packen und den Terminen für ihre offizielle Verabschiedung in den beiden Kirchengemeinden fand Margit Rothe noch Zeit für ein Gespräch mit unserer Zeitung.

Sie waren als Gemeindediakonin lange in den evangelischen Kirchengemeinden Eppelheim und Plankstadt tätig. Was war nun der Grund für Ihre berufliche Veränderung?
"Ich hatte schon länger im Kopf, dass ich mir so nach zehn oder zwölf Jahren etwas Neues suchen wollte. Habe mir da aber keinen Druck gemacht. In der Weihnachtszeit stellte dann die Evangelische Landeskirche in einem Infobrief diese neue Stelle in der Flüchtlingshilfe vor und rief alle Interessierten auf, sich zu bewerben. Das gab für mich den Ausschlag."

Wie lange haben Sie überlegt, ob Sie diesen Schritt wagen sollen?
"Ich habe gemerkt, dass meine Gedanken immer wieder um dieses Stellenangebot kreisten. Doch ich habe bestimmt drei Wochen verstreichen lassen, bis ich mit meiner Dekanin, meinem Chef im Evangelischen Oberkirchenrat und meinen Teamkollegen gesprochen, mich entschieden und im Bezirksbeirat um die Stelle beworben habe. Geholfen hat mir dabei einer meiner Lieblingsbibelverse: Du stellst meine Füße auf weiten Raum."

Was gehört zu Ihren neuen Aufgaben?
"Zu meinen Aufgaben gehören die seelsorgerliche Begleitung von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit, die Begleitung von Taufanfragen durch Migranten, Zielgruppen-Gottesdienste und Hilfe bei der Entwicklung von Angeboten für Flüchtlinge in den Kirchengemeinden."

Was ist Ihnen persönlich bei Ihrer neuen Tätigkeit wichtig?
"Ich möchte Ängsten und Misstrauen gegenüber Fremden entgegenwirken, Aufklärungsarbeit leisten und die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe unterstützen. Ich schätze den Bibelspruch 'Prüfet alles und behalte das Gute' und lebe aus dem Glauben an das Gute im Menschen."

Was waren Ihre Tätigkeitsschwerpunkte als Gemeindediakonin?
"Da meine Vollzeitstelle aufgeteilt und ich 70 Prozent meiner Arbeitszeit in Eppelheim war, habe ich natürlich hier auch mehr Tätigkeitsschwerpunkte gehabt. Dazu gehörte der Religionsunterricht an der Theodor-Heuss-Schule, die Kinder- und Jugendarbeit mit der Durchführung von Gottesdiensten, Freizeiten und Jugendleiterschulungen, die Organisation von Krabbel-Gottesdiensten, Konfirmandenunterricht, die Organisation der Gemeindefeste, sowie die Öffentlichkeitsarbeit.

Welche Ideen konnten Sie in den zurückliegenden Jahren einbringen?
"Ich habe beispielsweise den Krabbel-Gottesdienst und die Stallweihnacht eingeführt, sowie den ökumenischen Jugendkreuzweg und die Jugendfreizeiten ins Leben gerufen, an denen Kinder und Jugendliche aus beiden Kirchengemeinden teilnehmen konnten. In Eppelheim habe ich das Johanni-Fest, die ökumenische Kinderbibelwoche, sowie die Frühschichten im Advent und in der Passionszeit initiiert. Zusammen mit dem Pfarrteam in Eppelheim konnten auch die neuen Gottesdienstangebote 'Atempause' und 'Sonntags um 11' eingeführt werden. In Plankstadt habe ich ein Mal im Jahr für die Jugendlichen eine Kirchenübernachtung und für Familien einen besonderen Gottesdienst mit einer Musical-Aufführung organisiert."

Was bleibt Ihnen rückblickend besonders in Erinnerung?
"Dass ich Kinder und Jugendliche in ihrem Heranwachsen begleiten und fördern durfte und vielleicht Spuren in ihrem Leben hinterlassen habe. Es ist toll zu sehen, wie sie in ihrer Persönlichkeit wachsen, Interessen entwickeln, Verantwortung übernehmen und sich ehrenamtlich für andere engagieren wollen. Hier mitgewirkt zu haben, dafür bin ich dankbar."

Wird Ihnen künftig nicht etwas fehlen?
"Vermissen werde ich sicher das Eingebundensein in das Tragende einer Kirchengemeinde und das Wissen, wo ich hingehöre und gebraucht werde. Aber auch die vielen lieben Menschen, denen ich begegnet bin und die Kinder und Jugendlichen, mit denen ich zu tun hatte, werden mir fehlen. Eppelheim war eine tolle Gemeinde und immer offen für Neues. Ich war sehr gerne hier."

Sabine Geschwill

Foto: Geschwill Presseservice