Foto: Daniel Horsch

»Biblische Geschichten mit dem Figurentheater „Radieschenfieber“ am 14. Januar 2012 in der Pauluskirche«
Das 200 jährige Jubiläum der Pauluskirche, das die evangelische Kirchengemeinde mit verschiedenen Veranstaltungen in diesem Jahr feiern darf, zeigte sich jetzt von seiner witzigsten Seite. Auf das Publikum und die vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchengemeinde, die dazu als Dankeschön für ihre engagierte Mitarbeit eingeladen waren, wartete ein ganz besonderer Abend in der Pauluskirche.
Foto: Daniel Horsch
Als Garant für gute Unterhaltung und kräftiges Zwerchfellkitzeln hatten die Jubiläumsgestalter Matthias Jungermann und sein Figurentheater „Radieschenfieber“ engagiert. Der hatte ein richtig appetitliches Nummernprogramm mitgebracht und ließ im Kirchenraum Obst und Gemüse lebendig werden. Pfarrer Detlef Schilling gab den Zuschauern den guten Rat: „Lachen Sie los!“. Und das taten sie dann auch ausgiebig. Denn Matthias Jungermann wusste genial zu unterhalten.
1977 wurde er in Rendsburg geboren und hegte als großer Fan von Sesamstraße und Muppets-Show früh den Wunsch, Puppenspieler zu werden. Im Teenager-Alter von 13 Jahren bastelte er seine erste Puppe, eine Klappmaulfigur. Frühe Spielversuche in einer eigenen Theatergruppe brachten erste positive Bühnenerfahrungen. Durch ein Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart - Studiengang Figurentheater - wurde er professioneller Figurenspieler. Er darf sich ganz legitim „Dipl.-Fig.“ nennen, wie er mit einem Grinsen erklärte.
Als Figurenspieler belebt er scheinbar seelenlose Objekte, verleiht ihnen Charakter und Charme. Eine Puppe, verschiedene Wollknäuel, aber vor allem Obst und Gemüse spielen in seinen Geschichten aus der Bibel die Hauptrolle. Der Altarraum wurde bei ihm zur Bühne. Das Publikum war zum Erraten der gespielten Geschichten aufgerufen, hatte Fragen zu beantworten und durfte nach einem kräftigen Gutselregen auch naschen.
Bei der Bibelgeschichte vom „verlorenen Schaf“ dienten unterschiedlich große Wollknäuel als Schafe. Und was ein guter Hirte ist, der lässt keines seiner Tiere im Stich, sondern rettet es. „Wenn ein Schaf zum Hirten zurückfindet, ist die Freude riesengroß. Und wenn ein Mensch zu Gott zurückfindet, ist die Freude noch viel größer“, erklärte Jungermann.
Obst und Gemüse standen im Mittelpunkt der Geschichte vom „verlorenen Sohn“ aus dem „Neuen Testament“. Der Figurenspieler machte seinem Publikum den Mund wässrig: „Bei dieser Geschichte kann man hinterher alles aufessen.“ Eine schlichte Ananas mit Stachelfrisur und kratziger Hülle übernahm die Rolle des Vaters, die beiden Söhne wurden von zwei hochgewachsenen Bananen dargestellt. In der Geschichte bat eine der Bananen den Vater um ihren Erbteil. Der Vater kam dem Wunsch nach und teilte Hab und Gut gerecht unter seinem Nachwuchs auf. Die eine Banane lebte in Saus und Braus, verprasste ihr Erbe fernab von der Familie und hatte viele Freunde. Die andere war sparsam, legte ihren Erbteil gut an. Als dem Erberbitter das Geld ausgegangen war, kehrte die gelbe Frucht ausgelutscht, verarmt und beschämt zu ihrem Vater zurück. „Ich glaube, ich bin nur noch die Hülle von dem, was ich mal war“, jammerte die Bananenschale. Die Ananas zeigte großes Herz, nahm den Sohn sogleich wieder in der Familie auf, schenkte ihm ein neues Gewand, ließ eine Zucchini schlachten und gab ein Fest aus Freude über den Heimkehrer.
So reihte sich beim Figurentheater „Radieschenfieber“ eine schöne Geschichte an die andere: Beim Gleichnis vom "Barmherzigen Samariter" gestaltete Jungermann mit Lauchstangen einen bezaubernden Wald, gab anhand eines weißen ziemlich mitgenommenen Tuches Einblicke in seine Lebensstationen und formte als Zugabe aus einem einfachen Zollstock in Windeseile diverse Piktogramme, die er natürlich entsprechend kommentierte.
Übrigens: Für den gelungenen Abend hatte auch Kirchengemeinderat Daniel Horsch einen großen Teil beigetragen. Er war für die Lichttechnik verantwortlich und hatte für diese Veranstaltung sowohl im Kircheninneren als auch im Außenbereich für ein wunderbares Lichterspiel gesorgt.
Foto: Daniel Horsch
Seinen gemütlichen Ausklang fand das Figurentheater im Gemeindehaus bei Glühwein und Snacks.
(Sabine Geschwill)
Fotos (5): Geschwill Presseservice