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Musik - Josephskirche
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Einstimmige Musik von Meistern der Mehrstimmigkeit

»Ludwig Frankmar konzertierte am 12. November 2017 mit seinem Barockcello in der Josephskirche«

Der Künstler, sein Instrument und die von ihm ausgewählte Musik waren außergewöhnlich. Und der exquisite Klang in der Josephskirche tat sein Übriges, um den Besuchern der Reihe „Musik in der Josephskirche“ ein besonderes Konzerterlebnis zu verschaffen. „Einstimmige Musik von Meistern der Mehrstimmigkeit“ lautete der Titel des Konzertes mit Ludwig Frankmar.

Der vielfach gefragte Cellist wurde 1960 in Falun geboren und lebt heute in Berlin. Er entstammt einer schwedischen Kirchenmusikerfamilie. Nach Studien in seiner Heimatstadt Malmö war er als Orchestermusiker an der Oper Barcelona und als Solocellist der Göteborger Oper tätig, sowie als Solocellist der Camerata Bern. Als er 1995 den Orchesterberuf verließ, beschäftigte er sich unter anderem mit zeitgenössischer Musik. Kontakte und Zusammenarbeit mit Kirchenmusikern führten ihn zur Alten Musik, zur historischen Aufführungspraxis und zum Barockcello, mit dem er gerade mit großem Erfolg zahlreiche Solokonzerte zumeist in deutschen Kirchen absolviert.

Die Wahl des Barockcellos hat Einfluss auf die Wahl des Repertoires. Das Instrument von Ludwig Frankmar aus dem Jahr 1756 stammt aus Paris von Louis Guersan. In der Barockzeit gab es viele unterschiedliche Celli, die für ihre jeweiligen Aufgaben gedacht waren. Die Barockcelli von Louis Guersan haben einen gambenähnlichen Klang, denn dieser war weit bekannter als Erbauer von Gamben als von Celli.

Mit seinem Konzert in der Josephskirche begeisterte Frankmar vom ersten Augenblick an. Seine sensible Spielweise und der seidig-warme Klang seines Cellos haben die Leute verzaubert. Umgekehrt zeigte sich der Künstler beglückt über Akustik und Atmosphäre der Josephskirche.

Um den Besuchern den Konzerttitel „Einstimmige Musik von Meistern der Mehrstimmigkeit“ verdeutlichen zu können, hatte er für sein Programm Werke von Antoine Forqueray, Silvestro Ganassi, Johann Sebastian Bach und Giovanni Bassano ausgewählt. Frankmar hatte den Kontrapunkt als wichtigste Kompositionstechnik der Renaissance und des Barock in den Mittelpunkt gestellt. Bei der einfachsten Variante des Kontrapunkts wird eine vorgegebene Tonfolge von einer zweiten als Gegenstimme umspielt und begleitet. Dieses Zusammenspiel zwischen Stimme und Gegenstimme muss aber nicht in eine polyphone Komposition münden, sondern kann auch in einem linearen Bezug zueinander geschehen.



Die musikalischen Sprünge des Cellisten waren mitunter groß, aber interessant. Es ging von der Barockzeit am Hofe des Sonnenkönigs mit den „Pièces de violle“ von Antoine Forqueray zurück zur Kirchenmusik der Spätrenaissance im Markusdom in Venedig mit den „Ricercare“ aus der „Regola Rubertina“ von Silvestro Ganassi. Dieser war in Venedig als Blockflötist und Gambist tätig. Er wirkte unter anderem im Markusdom, dem damaligen musikalischen Zentrum Norditaliens. Seine instrumentalen Ricercare aus seinem ersten Traktat über das Gambenspiel aus dem Jahr 1542 sind kleine, in sich vollendete Werke.

Dargeboten wurden von Ludwig Frankmar auch die Suite Nr. 1 und Nr. 5 von Johann Sebastian Bach, der als Komponist, Kantor sowie Orgel- und Cembalovirtuose des Barock prägend war. Abschluss des besonderen Hörgenusses bildeten zwei Ricercare von Giovanni Bassano, dem großen Meister der späten Renaissance.

Sabine Geschwill

Fotos: Geschwill Presseservice