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Musik - Josephskirche
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Die Finger flogen nur so über die Tasten

»Alexandre Bytchkov faszinierte mit dem Akkordeon / „Musikalische Weltreise“ in der Josephskirche«

Einen phänomenalen Schlussapplaus bekam Alexandre Bytchkov. Zuvor hatte der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Musiker in seinem gut einstündigen Konzert die Besucher in der Reihe „Musik in der Josephskirche“ mit dem Akkordeon in den Bann ziehen können. Hanna Hahne, federführende Organisatorin der Musikreihe, freute sich über die Begeisterung im Publikum und den Kommentar einer Besucherin: „Den könnten Sie mal wieder holen.“ Der zweifache Deutsche Akkordeonmeister und Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe hatte sein Programm unter den Titel „Eine musikalische Weltreise“ gestellt.

Akkordeonklänge in Kirchen sind äußert selten, aber ein herrliches Klangerlebnis. Alexandre Bytchkov entführte seine Zuhörer in die unterschiedlichsten Musikwelten und entfachte ein wahres Feuerwerk mit hohem künstlerischem Anspruch. In unseren Breiten ist das Akkordeon oft nur aus der Volksmusik bekannt. Nicht so in anderen Ländern und der russischen Heimat des Akkordeon-Virtuosen. Bytchkov, der mit seiner Familie seit einigen Jahren in Mainz lebt und als Dozent tätig ist, hat sich innerhalb kurzer Zeit in Deutschland als herausragender Musiker einen Namen gemacht.

Er hatte zwei Instrumente mitgebracht und bot damit eine breite Palette an Möglichkeiten. Ob klassische Stücke, leichte Musettewalzer, spritzige Tangos oder gefühlvolle russische Romanzen - Alexandre Bytchkov fasziniert das Publikum mit seiner Virtuosität und seinem musikalischen Einfühlungsvermögen. Zu Beginn kam ein Akkordeon zum Einsatz, das zusätzlich mit einem sogenannten „Melodiebass“ ausgestattet war und das Spielen von Originalkompositionen für Tasteninstrumente, wie beispielsweise Orgelliteratur, ermöglicht. Der Klang drang satt und voluminös durch die Kirchenräume. Zum Auftakt hatte der Künstler ein bekanntes Stück von Johann Sebastian Bach ausgewählt, welches sehr viel Fingerfertigkeit und Konzentration erforderte: die „Toccata und Fuge in d-Moll (BWV 565)“. Sie dürfte das wohl bekannteste Orgelwerk europäischer Musik sein. Die Komposition besteht aus drei Abschnitten: einer Toccata, also einem Präludium aus schnellen Läufen und vollgriffigen Akkorden, und einer sich anschließenden vierstimmigen Fuge, die ihrerseits in einen mit „Recitativo“ bezeichneten Schlussabschnitt mündet, der wieder den improvisatorischen Charakter des Anfangs aufnimmt.

Weiter ging es mit einem Frühwerk Bachs, einer Serenade von Franz Schubert und „Russischen Romanzen“. Der Akkordeon-Virtuose spielte diese Stücke mit „Russischer Seele“ sehr gefühlvoll und mit viel Empathie. Die Zuhörer wähnten sich in den Weiten Russlands. Bei der russischen Romanze „Verlass mich nicht“ von Georgi Sviridov gelang es Bytchkov mit seinem Instrument das getragene Schicksal dieses Stückes für den Zuhörer spürbar zu machen. Mit einem der schönsten Instrumentalstücke von Astor Piazzolla, der als wichtigster Vertreter des modernen Tangos gilt, wusste Bytchkov den Zauber dieses Tanzes zu vermitteln.

Sehr einfühlsam wurde der Evergreen „Blue Moon“ von Richard Rodgers gespielt. Es folgten mit Reinhard Meys „Über den Wolken“ und „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ von Wolfgang Hammerschmid und Hildegard Knef zwei bekannte deutsche Lieder. Das Publikum wurde zum Mitsingen oder Mitsummen ermuntert. Bei der rasanten „Arie Figaro“ aus Giacomo Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ flogen die Finger nur so über die Tasten. Das Publikum war restlos begeistert. Als Zugaben wurden von Alexandre Bytchkov der „Karneval in Venedig“ von Niccolò Paganini und das bekannte Stück „Tico Tico no Fubá“ des brasilianischen Komponisten Zequinha de Abreu ausgepackt. Den begeisterten Schlussapplaus hatte sich der Ausnahmemusiker redlich verdient.

Sabine Geschwill

Foto: Geschwill Presseservice