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Musik - Josephskirche
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Neue Klangfülle und Vokalität der Orgel offenbart

»Orgelinspektor konzertierte nach umfangreicher Orgelsanierung selbst«

Die Sanierung und Reinigung der Orgel in der Josephskirche wurde vor Kurzem abgeschlossen. Grund genug, um in der ökumenischen Reihe "Musik in der Josephskirche" zu einem besonderen Orgelkonzert mit anschließendem Umtrunk einzuladen.

Bei diesem Orgelkonzert erklang die Königin der Instrumente mit ihren 16 Registern seit ihrer umfänglichen Erneuerung und Restaurierung im Jahre 1996 nun wieder in ihrer ganzen Klangfülle und Farbigkeit. Ihr geschätzter Klangcharakter der Spätromantik kam wieder in vollem Umfang zum Tragen. Die spätromantischen Register des musikalischen Kleinods weisen auf seinen Ursprung im ausgehenden 19. Jahrhundert hin und lassen Klänge einer längst vergangenen Zeit wieder lebendig werden.

An der frisch restaurierten Orgel saß - und zwar mit großer Begeisterung für dieses Kircheninstrument - Prof. Dr. Michael G. Kaufmann. Er hat die Orgelsanierung als Erzbischöflicher Orgelinspektor fachlich begleitete. Geboren 1966 in Landau, studierte Kaufmann Schul- und Kirchenmusik sowie Musikwissenschaft und Germanistik. Er ist Orgelsachverständiger der Erzdiözese Freiburg und der Evangelischen Landeskirche in Baden, Dozent an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg und Leiter der Aus- und Fortbildung von Orgelsachverständigen sowie Dozent an der Bundesfachschule für Orgelbau in Ludwigsburg. Ihn zeichnet auch eine internationale Konzerttätigkeit aus.

Mit dem von ihm zusammengestellten, gut einstündigen Konzertprogramm konnte er den Zuhörern eindrücklich die neue Klangfülle und Vokalität der Josephskirchenorgel näher bringen. Es war nicht sein Ansinnen, wenige umfangreiche Kompositionen zu spielen, sondern viele kleine Stücke aus dem liturgischen Gebrauch, damit die Besucher miterleben konnten, wie vokal die Orgel geworden ist. Gelungen ist dies dem Erzbischöflichen Orgelinspektor wunderbar. Seine Spielfreude gepaart mit der neuen Klangfülle der spätromantischen Orgel waren schon etwas Besonderes. Die ausgewählten Werke, die vom Barock über die Romantik bis ins 20. Jahrhundert reichten, hatte Kaufmann eingebettet in zwei Magnificat-Bearbeitungen von Johann Sebastian Bach, die er an den Anfang und das Ende seines Konzertes stellte. Dazwischen wusste er mit kleinen, feinen Stücken zu beeindrucken und die Vokalität der Orgel in den Vordergrund zu stellen wie beispielsweise mit Kompositionen von Friedrich Silcher, Eduard Rottmanner und Felix Mendelssohn Bartholdy. Kaufmann wusste auch mit den ausgewählten Komponisten einen Bezug zur Region herzustellen. Rottmanner war nämlich Domkapellmeister am Dom zu Speyer, Mendelssohn wiederum hat in der Domstadt während seiner Hochzeitsreise fleißig komponiert.

Michael Kaufmann gestaltete sein Konzert nicht nur musikalisch, sondern auch ökumenisch sehr ausgeglichen. Er hatte im Orgel-Album des Kirchenmusikers und Chorleiters Johannes Graf, der als Organist an der weltgrößten Orgel im Ulmer Münster tätig war, geblättert und drei Choralvorspiele ausgewählt, aber auch aus dem Buch "Die Orgel beim katholischen Gottesdienst" von Vincenz Gollar das Vor- und Nachspiel zum Kirchenlied "Pange Lingua", was aus dem Lateinischen übersetzt "Besinge, Zunge!" heißt, ausgesucht. "Musikalischer Weihrauch", so bezeichnete Kaufmann dieses mystisch feine Stück. Beim zeitgenössischen Stück "Michaelgruß" von Wolfram Graf, einem Urgroßneffen von Johannes Graf, konnte Kaufmann seine Zuhörer noch einmal in eine andere Klangwelt entführen, ehe er am Ende des Konzertes alle auf die Empore einlud, um die sanierte Orgel aus nächster Nähe zu betrachten.

Sabine Geschwill