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Experimentierfreudiger Musiker traf auf neugieriges Publikum

»„Klangreise um die Welt“ mit Marcus Haag in der Josephskirche«

Mit dem Wieslocher Klangkünstler Marcus Haag traf ein experimentierfreudiger Musiker auf ein neugieriges Publikum. Eine „Klangreise um die Welt“ lautete der Titel seines Konzerts in der Reihe „Musik in der Josephskirche“.

Haag, der seine Wurzeln in Eppelheim hat, ist Klangtherapeut und baut seine Klanginstrumente teilweise selbst. Zu der Josephskirche hat er eine ganz persönliche Beziehung: hier hat er als kleiner Junge ministriert und später auch geheiratet. Jetzt freute er sich, das Publikum zu einer Klangreise einladen zu dürfen, in der es Raum und Klang neu erleben konnte. Der Klangkünstler hatte Gong, Klangschale, Didgeridoo, Djembe, Cajón, Indianerflöte und Monochord mitgebracht. „Lassen Sie sich einfach darauf ein“, empfahl Haag seinem Publikum. Zurücklehnen, die Augen schließen und die Wirkung der Instrumente genießen, war die Devise im Kirchenraum.

Seine musikalische Reise begann Haag mit Gongtönen, deren Ursprung im indonesischen Java liegt. „Er ist von allen Instrumenten eines der gewaltigsten“, erklärte Haag. „Er hat eine Gewalt, eine Kraft, eine Wucht, die an die Grenzen dessen geht, was ein Mensch physisch und psychisch ertragen kann. Der Gong ist urgewaltig.“ Die Kostprobe ließ die Kraft des Instruments erahnen.

Weiter führte die Reise in die Welt der Klangschalen. Sie waren ursprünglich im fernöstlichen Raum, vornehmlich in Tibet, Nepal, China oder Japan, traditionelles Küchengeschirr oder Bettelschalen. Sie ließen im Gegensatz zum Gong eher sanfte und leise Töne erklingen.



In Australien angekommen, ging es von den „Idiophonen“, den Selbstklingern, zu den „Aerophonen“, den Luftklingern. Das Didgeridoo wurde als traditionelles Musikinstrument der nordaustralischen Aborigines vorgestellt. Es dient dort überwiegend als rhythmisch eingesetztes Begleitinstrument für Gesänge und Tänze. Die klangliche und rhythmische Vielfalt entsteht durch Kombinationen aus Mundbewegungen, Atemtechnik und Stimmeffekten. Haag spielte auf einem so genannten Slide-Didgeridoo. Es besteht aus zwei Kunststoffröhren, die man ineinander verschieben und somit verschiedene Töne spielen kann.



Die Reise führte die Zuhörer weiter nach Afrika, wo die Djembe als traditionelle Trommel vorgestellt wurde. Die Djembe gehört zu den so genannten Membranophonen, den Fellklingern. Sie wurde ursprünglich für Tänze und religiöse Zeremonien verwendet. In Amerika entwickelten aus der Not heraus afrikanische Sklaven das Cajón als einfaches Musikinstrument. Transportkisten für Fische oder Orangen wurden dabei zu Trommeln umfunktioniert.



Als sehr melodisches Instrument der Indianer zeigte sich die Indianerflöte. Eine Geschichte besagt, dass die Indianerflöte von jungen Männern zur Brautwerbung benutzt wurde. Andere Schriften belegen, dass die Indianerflöte für zeremonielle Zwecke und zur Heilung verwendet wurde. Zur Untermalung der Melodien der indianischen Zwillingsflöte setzte Haag eine Oceandrum ein, deren Ursprung ebenfalls in Amerika liegt. Der Klang der Oceandrum versetzte das lauschende Publikum unwillkürlich ans Meer und weckte sogleich Assoziationen an Wellenrauschen, Strand und Sonne.

Von Amerika ging es mit dem Monochord nach Europa. Das Instrument stammt aus dem frühen, europäischen Kulturraum. Sein chinesischer Vorfahre ist die Quin, die aus der Mythologie grauer Vorzeit stammt. Pythagoras hat bereits mit dem Monochord experimentiert. Zum Spiel auf dem Monochord ließ Haag seine Stimme erklingen.

Nach dieser klangvollen Weltreise setzte der Klangkünstler sanft zum Landeanflug im Kirchenraum an.

Sabine Geschwill

Fotos: Geschwill Presseservice