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Konzepte zur Einführung des Abendmahls mit Kindern

»Konkrete Konzeption für Eppelheim«

Über ein Jahr beschäftigte sich der Gottesdienstausschuss mit dem Thema Kinderabendmahl. Konkret geht es um Möglichkeiten, den Beschluss der Landessynode vom 25.10.2001 bezüglich der Abendmahlsdurchführung in Eppelheim umzusetzen.

Der Text des Beschlusses der Landessynode lautet:

"Aufgrund eines tieferen theologischen Verständnisses der Zusammengehörigkeit von Taufe und Abendmahl erkennt die Landessynode:
1. Wer getauft ist, ist zur Feier des Heiligen Abendmahls eingeladen.
2. Kinder sollen ihrem Alter gemäß darauf vorbereitet sein.
3. Die Vorbereitung soll Kinder erkennen lassen, dass sie von Christus eingeladen sind und dass er im Abendmahl zu ihnen kommt. Diese Vorbereitung kann im Kindergottesdienst, im Familiengottesdienst und im Abendmahlsgottesdienst selbst erfolgen, aber auch durch besonderen Unterricht, auf Familienfreizeiten, Kinderbibelwochen, und ähnlichen Veranstaltungen oder durch Eltern und Paten selbst."


Dies bedeutet in unseren Augen für die Abendmahlpraxis in Eppelheim in der Zukunft:

1. Alle getauften Christen egal welchen Alters sind prinzipiell zum Abendmahl zugelassen.

2. Wir als Kirchengemeinde müssen uns Gedanken über die in Abschnitt 2. und 3. geforderte Einführung in das Thema Abendmahl machen.

Nach ausgiebiger Diskussion sowohl im Gottesdienstausschuss als auch während der Kirchengemeinderatsrüste im März 2004 zu diesem Thema möchten wir nun der Kirchengemeinde folgenden Modellvorschlag für die Umsetzung in Eppelheim vorstellen:

1. In Eppelheim sollen in Zukunft wie von der Landessynode gefordert alle getauften Kinder zum Abendmahl zugelassen werden.

2. Für die Vorbereitung der Kinder auf das Abendmahl halten wird den Religionsunterricht in den 3. Klassen als den günstigsten Ort und die günstigste Zeit, da unsere drei Pfarrer in beiden Grundschulen den Religionsunterricht bis auf eine Ausnahme übernehmen können. Zusätzlich gibt die anstehende Reform des Lehrplans für das Land BW den Lehrern und in diesem Fall damit den Pfarrern einen größeren Freiraum in der Gestaltung des Unterrichts.

3. Als möglichen Zeitraum für die Unterrichtseinheit haben wir die Wochen zwischen Ostern und Pfingsten jeden Jahres ins Auge gefasst, beendet werden soll die Vorbereitung mit einem Familiengottesdienst, bei dem die Kinder gemeinsam mit der Gemeinde das Abendmahl feiern.

4..Für die Übergangszeit von ca. 4 Jahren soll für die Viert- bis Siebtklässler bei Interesse ein Intensivwochenende angeboten werden.

Eine Einführung von Kindern zum Abendmahl erfordert zusätzlich Veränderungen in der bisher durchgeführten Abendmahlspraxis. Der Kirchengemeinderat ist sich darüber einig, dass die Zulassung von Kindern nicht auf einige wenige Gottesdienste im Kirchenjahr (z.B. Familiengottesdienste) beschränkt sein sollte, dies würde unserer Meinung nach dem Beschluss der Landessynode entgegenstehen. Das Hauptproblem wurde in der Austeilung von Wein während des Abendmahles gesehen, ein Thema, das ja in der näheren Vergangenheit bereits heiß diskutiert wurde.

So wird schon jetzt versuchsweise für ein Jahr abwechselnd Wein und Traubensaft ausgeschenkt. Bei Einführung des Kinderabendmahls wird bei jedem Abendmahl mit Wein für Kinder ein Kelch mit Traubensaft bereitgehalten.

Auf der Gemeindeversammlung am 10.10.04 wird das Kinderabendmahl eines der Hauptthemen der Tagesordnung sein und damit genug Möglichkeit zur Diskussion bestehen. Dennoch würden wir uns auch vorher über Rückmeldungen z.B. über die Homepage www.ekieppelheim.de freuen. Nach Diskussion und Meinungsbild auf der Gemeindeversammlung wird der Kirchengemeinderat im Herbst abschließend über das Thema beschließen, eine Einführung wurde bereits für das nächste Jahr ins Auge gefasst.

Der Kirchengemeinderat ist sich bewusst, dass die Einführung eines Kinderabendmahls für viele Gemeindemitglieder eine starke Veränderung bedeutet; in der Geschichte unserer Kirche gab es immer wieder Veränderungen, die von äußeren Einflüssen oder wie in diesem Falle der veränderten Auffassung von innerkirchlichen Lehrmeinungen bestimmt waren. Wir sehen in der Einführung des Kinderabendmahles einen Schritt in Richtung der Weiterentwicklung und hoffen, durch diese Umsetzung das Interesse und Verständnis von jungen Menschen für die christliche Botschaft in einem Alter, in dem sie noch besonders empfänglich und offen sind, zu wecken.

Es bietet zudem große Chancen für den Gemeindeaufbau. Durch Kindergottesdienst, Gottesdienst und Elternabende können Kinder und deren Eltern besser Kontakt zu unserer Gemeinde knüpfen.

Christian Hahne

Bericht von der Klausurtagung des Kirchengemeinderats in Bad Herrenalb

Am Wochenende, 13./14. März 2004, traf sich der Kirchengemeinderat im Haus der Kirche von Bad Herrenalb zum Thema "Kinderabendmahl in der Gemeinde". Diskutiert wurden Möglichkeiten, Chancen und Fragen zu dem vorliegenden Beschluss der Landessynode vom 25.10.2001 (s.o.).

Wie gehen wir als Kirchengemeinde an das Thema heran? Diese Frage wurde mit einer kurzen Zusammenfassung aus der kirchengeschichtlichen Entwicklung aufgegriffen und es stellte sich sehr schnell heraus, dass sich in den früheren Jahrhunderten sehr unterschiedliche Traditionen zum Kinderabendmahl entwickelten.
In der frühen Kirche begründet die Taufe gleichzeitig die Abendmahlszulassung. Im späten Mittelalter rückt das "Verstehen" des Sakramentes als Zulassungskriterium in den Vordergrund und verstärkt sich durch das Bildungsmodell der Reformation. Die Koppelung von Konfirmation und Abendmahlszulassung ist in der evangelischen Kirche bis heute eine weithin übliche Handhabung.


Die Diskussion

Bedenken - Womit haben wir Schwierigkeiten:

  • Bis jetzt noch wenige Regeln für die Einführung.
  • Wie verhalte ich mich gegenüber nicht vorbereiteten, fremden oder jüngeren Kindern?
  • Frage überschreitet Kompetenz eines Kirchengemeinderats.
  • Auswirkungen auf die Konfirmation.
  • Meinen Kindern zu erklären, in welcher Gemeinde die allgemeine Einladung zum Abendmahl gültig ist und in welcher nicht und warum es hier Unterschiede gibt.
  • Muss eine Änderung erfolgen, weil Änderungen modern sind?
  • Verständnis der älteren Gemeindemitglieder.
  • Ab welchem Alter soll Abendmahl eingeführt werden, ab wann können Kinder das Abendmahl verstehen

Worin sehen wir Chancen:

  • Frühzeitige Einbindung der Kinder in das Abendmahl mit Vorbereitung könnte auch eine Möglichkeit der früheren Einbindung in die Gemeindearbeit generell sein
  • Abbau von Unsicherheiten/Scheu der Jugendlichen (Stichwort unruhige Konfirmanden)
  • Das Abendmahl bleibt kein einmaliges Ereignis im Rahmen der Konfirmation
  • Der Konfirmandenunterricht kann in kürzerer Zeit erfolgen
  • Kinder verstehen durch das Mit-hinein-genommen-werden
  • Kinder sind gegenüber Ritualen offener als Jugendliche in der "Ablösungsphase"
  • Stärkere Einbeziehung auch der Eltern
  • Sammeln von Praxis bereits vor Konfirmation
  • Neue Besinnung auf das Abendmahl
  • Gottesdienstliche Erfahrung, die über das rationale Verstehen hinausgeht
  • "Entmachtung des Verstandes"
  • Kinder gehen unbeschwerter an religiöse Themen heran
  • Einführung aller Getauften ins Abendmahls im ökumenischen Sinne
  • Dem Auftrag der Einladung an alle Getauften gerecht werden
  • Betonung neuer Aspekte des Abendmahls: Gemeinschaft, Gott sorgt für uns, Freude am Leben, Dank

Welche Fragen haben wir:

  • Welche Arten der Einführung gibt es?
  • Wer übernimmt Einführung?
  • In welchem Rahmen soll eingeführt werden?
  • Wein oder Traubensaft, Umgang mit der generellen Abendmahlspraxis?
  • Welche Erfahrungsberichte aus anderen Gemeinden gibt es?
  • Und seit wann gibt es Erfahrungen?
  • Was ist Abendmahl? Abgrenzung zum Agape-Mahl im Kindergarten?
  • Wird Abendmahl von Eltern für die Kinder wahrgenommen?
  • Ob es für die Gemeinde gut ist?
  • Wie ist der Umgang mit nicht-vorbereiteten Kindern?
  • Wie lauten weiterführende Vorschläge, Entscheidungshilfen der Landeskirche?


Ein Herangehensmodell für die Kirchengemeinde

Einführung der Thematik im Religionsunterricht in der 3. Klasse (Vorteil: alle evangelischen Kinder werden von den Pfarrern und einer Lehrkraft erreicht, z.Zt. im Lehrplan der 3. Klasse Moses und das Passahmahl), evt. auch 2. Klasse

Begleitende und offene Elternarbeit in Form eines Elternbriefes zur Information, begleitende Informationen über die jeweils durchgenommenen Themenkomplexe geben, Elternabend zum genauen Ablauf der Einführung von Kinderabendmahl in der Gemeinde, Aufforderung der Eltern zur Mitwirkung, den Eltern die Möglichkeit zu Nachfragen geben.

Information der Gemeinde durch den Gemeindebrief, die Gemeindeversammlung, Gemeindebeirat, Information während des Bazars in Form von Stellwänden (retrospektiv), etc.

Es sollte das Ziel sein, eine breite Diskussion und Aussprache zum Thema anzuregen und mit Informationen und Hilfestellungen zu begleiten, damit für die Kirchengemeinde eine gute Regelung für das Kinderabendmahl gefunden werden kann.


 


Hinweise, Informationen, Materialien
Hinweise, Informationen, Materialien

Gesamtverband für Kindergottesdienst der EKD

Materialpaket "Abendmahl feiern mit Kindern" Landesverband für Evangelische Kindergottesdienstarbeit in Bayern

Abendmahl mit Kindern Ein Erlebnisbericht einer Abendmahlsfeier mit Kindern. Team Bunter Kindermorgen Groß Elbe bei Braunschweig (Pfarrer Jürgen Grote) Durchgeführt am 25. 3. 2000 - 30 Kinder / 7 MitarbeiterInnen. (www.kinderkirche.de)

www.rpi-virtuell.de "rpi" steht für religionspädagogische Plattform im Internet und ist ein Projekt der Evangelische Kirche in Deutschland. "rpi" steht aber auch für religionspädagogisches Institut.

Landeskirchlicher Beauftragter für Kindergottesdienst in Baden am Religionspädagogischen Institut, Manfred Hilkert, rpi-baden@ekiba.de

Landesverband für Kindergottesdienst
Baden
Dekan. Dr. Martin Treiber
Mönchweiler Str. 6
78048 Villingen